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Impfen: Wann und wer?

Durch die Unterschiede zwischen der aktualisierten Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 (Coronavirus-Impfverordnung – CoronaImpfV) des Bundesgesundheitsministeriums und der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts und  gibt es teilweise Reibungsverluste, die dann – wenn möglich – durch die Impfwilligen ausgeglichen werden müssen. (Näheres zu Verordnung und Empfehlung siehe weiter unten auf dieser Seite)
Zusätzlich werden in der Realität nahezu in jedem Bundesland die Regelungen unterschiedlich ausgelegt - auch wenn die Bundesverordnung als Blaupause für die Länder gilt. Zusätzlich schienen in der Vergangenheit auch die einzelnen Kreise, Kommunen, Impfzentren tatsächliche oder herbeierklärte Handlungsspielräume weiträumig gedehnt zu haben.

Eine Höherstufung ist scheinbar abhängig von der Schwere der Angiodyspalsie und der Einschätzung der jeweiligen Haus- bzw. Fachärzte im Einzelfall und nach persönlichem Einsatz möglich. In der aktualisierten Fassung der Impfverordnung wurde die Möglichkeit einer Höherstufung eingefügt. Die Verordnung selbst geht dabei allerdings eher von einer Verschiebung innerhalb der Priosierungsgruppe aus.
Die Einzelfallentscheidung trifft in der Regel das zuständige Gesundheitsamt (oder die enstprechenden Bevollmächtigten). Nach dem Text der Verordnung haben nur die Personen der Gruppen hohe und erhöhte Priorität einen Anspruch auf die Ausstellung eines ärztlichen Zeugnisses. Arztpraxen sind »zur Ausstellung eines Nachweises berechtigt«.

Für Schwangere, Kinder und Jugendliche sind die derzeit in Deutschland/EU verfügbaren Impfstoffe nicht zugelassen.

Nicht geimpft werden unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer benannten Personengruppe zur Zeit Personen, die nachweislich in den letzten 6 Monaten bereits an Covid-19 erkrankt waren, sie werden jetzt der Gruppe der geringsten Priorität zugerechnet.

Ist eine Impfung überhaupt empfehlenswert?

Das darf und kann jede und jeder für sich allein entscheiden.

Studien u.a. in der Universitätsklinik Straßburg und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) belegen eine auffällige Häufung von Beinvenenthrombosen und Lungenembolien nach der Erkrankung an Covid-19.
Es wurde auch berichtet, dass in einigen Fällen durch die Einnahme von Blutgerinnnungshemmern der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst und die Zeit der intensivmedizinischen Betreuung verringert werden konnte. Nicht immer, aber immerhin.

Eine Stellungnahme von Fachärzten angeborener Gefäßfehlbildungen erschien am 15.02.2021. Tragfähige Untersuchungen oder wissenschaftliche Studien über die Auswirkungen von SARS-Cov-2-Viren auf Angeborene Gefäßfehlbildungen sind bisher nicht bekannt.

Darüber hinaus äußerten sich auch die Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE), die Vascular Anomalies Working Group (VASCA) und die BAG SELBSTHILFE mit Staments und Empfehlungen.

Die hier getroffenen Einschätzungen basieren auf dem Kenntnisstand vom 15.02.2021. Darüber hinaus können sich alle relevanten Gesetze, Verordnungen, Empfehlungen und Untersuchungen jederzeit in jede erdenkliche Richtung ändern.

Impfzentren und Terminvergabe

Für die Impfzentren und die Terminvergabe ist jedes Bundesland einzeln zuständig, deshalb bitte auf der Seite des jeweiligen Bundeslandes informieren.

Coronavirus-Impfverordnung

Die Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 (Coronavirus-Impfverordnung – CoronaImpfV) unterteilt in vier Gruppen :

höchste Priorität (§2):

  1. Personen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben,
  2. Personen, die in stationären und teilstationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder tätig sind,
  3. Personen, die im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig ältere oder pflegebedürftige Menschen behandeln, betreuen oder pflegen, sowie Personen, die im Rahmen der ambulanten Pflege Begutachtungs- oder Prüftätigkeiten ausüben,
  4. Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen insbesondere auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten, als Leistungserbringer der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, in den Impfzentren sowie in Bereichen, in denen für eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 relevante aerosolgenerierende Tätigkeiten durchgeführt werden,
  5. Personen, die in medizinischen Einrichtungen regelmäßig Personen behandeln, betreuen oder pflegen, bei denen ein sehr hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht, insbesondere in der Onkologie oder Transplantationsmedizin.

Sofern Impfstoffe von der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut ausschließlich für Personen, bestimmter Altersgruppen empfohlen werden, sollen diese Personen vorrangig mit diesen Impfstoffen versorgt werden.

hohe Priorität (§3):

  1. Personen, die das 70. Lebensjahr vollendet haben,
  2. folgende Personen, bei denen ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht:
    a) Personen mit Trisomie 21,
    b) Personen nach Organtransplantation,
    c) Personen mit einer Demenz oder mit einer geistigen Behinderung oder mit schwerer psychiatrischer Erkrankung, insbesondere bipolare Störung, Schizophrenie oder schwere Depression,
    d) Personen mit malignen hämatologischen Erkrankungen oder behandlungsbedürftigen soliden Tumorerkrankungen, die nicht in Remission sind oder deren Remissionsdauer weniger als fünf Jahre beträgt,
    e) Personen mit interstitieller Lungenerkrankung, COPD, Mukoviszidose oder einer anderen, ähnlich schweren chronischen Lungenerkrankung,
    f) Personen mit Diabetes mellitus (mit HbA1c ≥ 58 mmol/mol oder ≥ 7,5%),
    g) Personen mit Leberzirrhose oder einer anderen chronischen Lebererkrankung,
    h) Personen mit chronischer Nierenerkrankung,
    i) Personen mit Adipositas (Personen mit Body-Mass-Index über 40),
    j) Personen, bei denen nach individueller ärztlicher Beurteilung aufgrund besonderer Umstände im Einzelfall ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht,
  3. bis zu zwei enge Kontaktpersonen
    a) von einer nicht in einer Einrichtung befindlichen pflegebedürftigen Person über 80 Jahren,
    b) von einer schwangeren Person,
  4. Personen, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege geistig oder psychisch behinderter Menschen tätig sind oder im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig geistig oder psychisch behinderte Menschen behandeln, betreuen oder pflegen,
  5. Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem hohen oder erhöhten Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 tätig sind, insbesondere Ärzte und sonstiges Personal mit regelmäßigem unmittelbarem Patientenkontakt, Personal der Blut- und Plasmaspendedienste und in SARS-CoV-2-Testzentren,
  6. Polizei- und Ordnungskräfte, die in Ausübung ihrer Tätigkeit zur Sicherstellung der öffentlichen Ordnung, insbesondere bei Demonstrationen, einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind, sowie Soldatinnen und Soldaten, die bei Einsätzen im Ausland einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind,
  7. Personen, die im öffentlichen Gesundheitsdienst oder in besonders relevanter Position zur Aufrechterhaltung der Krankenhausinfrastruktur tätig sind,
  8. Personen, die in Obdachlosenunterkünften oder Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Unterbringung von Asylbewerbern, vollziehbar Ausreisepflichtigen, Flüchtlingen und Spätaussiedlern untergebracht oder tätig sind,
  9. Personen, die (häufig) als ehrenamtliche Helferinnen und Helfer unter pflegefachlicher Anleitung die Betreuung von Pflegebedürftigen mit allgemeinem oder mit besonderem Betreuungsbedarf in Gruppen oder im häuslichen Bereich übernehmen und tätig sind.

erhöhte Priorität (§4):

  1. Personen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben,
  2. Personen, bei denen ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht
    a) Personen mit behandlungsfreien in Remission befindlichen Krebserkrankungen, wenn die Remissionsdauer mehr als fünf Jahre beträgt,
    b) Personen mit Immundefizienz oder HIV-Infektion, Autoimmunerkrankungen oder rheumatologische Erkrankungen,
    c) Personen mit einer Herzinsuffizienz, Arrhythmie, einem Vorhofflimmern, einer koronaren Herzkrankheit oder arterieller Hypertonie,
    d) Personen mit zerebrovaskulären Erkrankungen, Apoplex oder einer anderen chronischen neurologischen Erkrankung,
    e) Personen mit Asthma bronchiale,
    f) Personen mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung,
    g) Personen mit Diabetes mellitus (mit HbA1c < 58 mmol/mol oder < 7,5%),
    h) Personen mit Adipositas (Personen mit Body-Mass-Index über 30),
    e) Personen, bei denen nach individueller ärztlicher Beurteilung aufgrund besonderer Umstände im Einzelfall ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht,
  3. bis zu zwei enge Kontaktpersonen von einer nicht in einer Einrichtung befindlichen pflegebedürftigen Person
  4. Personen, die Mitglieder von Verfassungsorganen sind oder in besonders relevanter Position in den Verfassungsorganen, in den Regierungen und Verwaltungen, bei der Bundeswehr, bei der Polizei, beim Zoll, bei der Feuerwehr, beim Katastrophenschutz einschließlich des Technischen Hilfswerks, in der Justiz und Rechtspflege, in den Auslandsvertretungen oder bei Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind,
  5. Personen, die in besonders relevanter Position in weiteren Einrichtungen und Unternehmen der Kritischen Infrastruktur tätig sind, insbesondere im Apothekenwesen, in der Pharmawirtschaft, im Bestattungswesen, in der Ernährungswirtschaft, in der Wasser- und Energieversorgung, in der Abwasserentsorgung und Abfallwirtschaft, im Transport- und Verkehrswesen sowie in der Informationstechnik und im Telekommunikationswesen,
  6. Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit niedrigem Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 tätig sind, insbesondere in Laboren, und Personal, das keine Patientinnen oder Patienten betreut,
  7. Personen, die im Lebensmitteleinzelhandel tätig sind,
  8. Personen, die in Kinderbetreuungseinrichtungen, in der Kindertagespflege, in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und als Lehrkräfte tätig sind,
  9. Personen mit prekären Arbeits- oder Lebensbedingungen.

Ohne Priorität

  • alle anderen

Ausnahmen
» Innerhalb der Prio-Gruppen können auf Grundlage der jeweils vorliegenden infektiologischen Erkenntnisse, der jeweils aktuellen Empfehlung der STIKO und der epidemiologischen Situation vor Ort bestimmte Anspruchsberechtigte vorrangig berücksichtigt werden. Insbesondere können Personen in der Reihenfolge der Geburtsjahrgänge geimpft werden.
Außerdem wird nun ausdrücklich geregelt, dass von der Reihenfolge der vorgegebenen Priorisierung in Einzelfällen abgewichen werden kann, wenn dies für eine effiziente Organisation der Schutzimpfungen und zur kurzfristigen Vermeidung des Verwurfs von Impfstoffen notwendig ist. « (Bundesministerium für Gesundheit: Fragen und Antworten zur Coronavirus-Impfverordnung)

Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO)

Die skizzierte Regelung der Coronavirus-Impfverordnung beruft sich auf die Empfehlungen der Ständigen Impfkommssion (STIKO) des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Diese Empfehlung enthält in der aktualisierten Fassung vom 14.01.21 einen Stufenplan und Impfindikationsgruppen zur Priorisierung der COVID-19-Impfung:

Personengruppen der Stufe 1:

  • BewohnerInnen von Senioren- und Altenpflegeheimen
  • Personen im Alter ab 80 Jahren
  • Personal mit besonders hohem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen
  • Personal in medizinischen Einrichtungen mit engem Kontakt zu vulnerablen Gruppen
  • Pflegepersonal in der ambulanten und stationären Altenpflege
  • Andere Tätige in Senioren- und Altenpflegeheimen mit Kontakt zu den BewohnerInnen

Stufe 2:

  • Personen im Alter von 75 – 79 Jahren
  • Personal mit hohem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen
  • Personen in Institutionen mit einer Demenz oder geistigen Behinderung
  • Tätige in der ambulanten oder stationären Versorgung von Personen mit Demenz oder geistiger Behinderung
  • Personen mit Down-Syndrom (Trisomie 21)

Stufe 3:

  • Personen im Alter von 70 – 74 Jahren
  • Personen nach Organtransplantation
  • Personen mit Vorerkrankungen mit hohem Risiko
  • BewohnerInnen und Tätige in Gemeinschaftsunterkünften
  • Enge Kontaktpersonen von Schwangeren
  • Enge Kontaktpersonen bzw. Pflegende von Personen mit hohem Risiko
  • Personal mit moderatem Expositionsrisiko in medizini­schen Einrichtungen und in Positionen, die für die Aufrechterhaltung der Krankenhausinfrastruktur besonders relevant sind
  • Teilbereiche des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD )

Stufe 4:

  • Personen im Alter von ≥ 65 – 69 Jahren
  • Personen mit Vorerkrankungen mit moderat erhöhtem Risiko und deren engste Kontaktpersonen
  • Personal mit niedrigem Expositionsrisiko in medizini­schen Einrichtungen
  • LehrerInnen
  • ErzieherInnen
  • Personen mit prekären Arbeits- und/oder Lebensbedingungen

Stufe 5:

  • Personen im Alter von 60 – 64 Jahren
  • Personal in Schlüsselpositionen der Landes- und Bundesregierungen
  • Beschäftigte im Einzelhandel
  • Beschäftigte zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit mit erhöhtem Expositionsrisiko
  • Berufsgruppen der kritischen Infrastruktur

Stufe 6:

  • Alle übrigen Personen im Alter von unter 60 Jahren

Wörtlich heißt es im weiteren
»Bei der Priorisierung innerhalb der COVID-19- Impfempfehlung der STIKO können nicht alle Krankheitsbilder oder Impfindikationen be­rücksichtigt werden. Deshalb sind Einzelfallentscheidungen möglich. Es obliegt den für die Impfung Verantwortlichen, Personen, die nicht explizit genannt sind, in die jeweilige Pri­orisierungskategorie einzuordnen. Dies betrifft z. B. Personen mit seltenen, schweren Vorer­krankungen, für die bisher zwar keine ausrei­chende wissenschaftliche Evidenz bzgl. des Verlaufes einer COVID-19-Erkrankung vor­liegt, für die aber ein erhöhtes Risiko ange­nommen werden kann. «

(vgl. STIKO. 14. Januar 2021)

Quellen

Zusammenstellung und Einschätzung: grr, in Zusammarbeit mit Andrea D., Claudia K., 15.02.2021