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In diesem Jahr ändert sich einiges im Gesundheitswesen der Bundesrepublik. Darüber wurde so viel berichtet, dass nach unserer Erfahrung immer weniger Leute durchsehen, was sich eigentlich ändert. Wir versuchen hier mal einige Änderungen kurz aufzugreifen, die in unserem Umfeld von Interesse sein könnten.

Stethoskop und Laptop
Stethoskop

Aut-idem-Regel
Die Übersetzung des lateinischen "aut idem" lautet "oder das Gleiche" und besagt, dass in der Apotheke das verschriebene Mittel durch ein gleich wirkendes oder kostengünstigeres ersetzt werden darf - die Zustimmung des Versicherten vorausgesetzt. Diese Regel gilt für gesetzlich Versicherte schon eine Weile und wird nun auch auf die PKV, Beihilfeempfänger*innen und Selbstzahlende ausgeweitet.

Q04.9
Seit Jahresbeginn werden multiple zerebrale Kavernome im aktualiserten ICD-10-Code unter der Bezeichnung "Q04.9 - Angeborene Fehlbildungen des Gehirns, nicht näher bezeichnet" geführt. Damit kann eine Verbesserung bei Krankschreibungen, Überweisungen, Rezepten, Heilmitteln usw. erwartet werden.

Wiederverwendbare Rezepte
Die so genannte "Wiederholungsverordnung" können Ärzte ab März chronisch kranken Menschen ausstellen. Das entsprechende Rezept kann dabei innerhalb von drei Monaten bis zu insgesamt vier Mal eingelöst werden und kann durch Arzt zusätzlich mit einem kleinen Vermerk verlängert werden.
Als "chronisch krank" gilt, wer mindestens einmal im Quartal beim Arzt vorstellig werden muss und eine dauerhafte medizinische Versorgung nötig ist, um eine lebensbedrohliche Verschlimmerung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität zu erwarten ist. Außerdem muss ein Pflegegrad 3 oder höher festgestellt sein bzw der Grad der Behinderung oder die Erwerbsminderung bei 60% oder mehr liegen.

Angehörigen-Entlastungs-Gesetz
Kinder von Pflegebedürftigen werden ab 2020 erst ab einem jährlichen Bruttoeinkommen von 100.000 Euro an der Pflege / den Heimkosten beteiligt (bisher bei alleinstehenden Kindern: 21.600 Euro).

Beitragsbemessungsgrenze
Alljährlich wird die Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Sozialversicherung an die Lohnentwicklung angepasst und steigt damit in 2020 auf 56.250 Euro (gesetzliche Krankenversicherung). Die allgemeine Versicherungspflichtgrenze steigt auf 62.550 Euro.

Masern-Impfung
Der Besuch eine Kindertagesstätte, einer Schule oder ähnliches geht ab 01. März nur noch mit Masern-Impfung. Das gilt gleichermaßen für Kinder und Jugendliche wie Personal (wenn nach 1970 geboren). Auch Pflegekräfte sowie Bewohner*innen und Personal von Asyl- und Flüchtlingsunterkünften unterliegen dann der Impfpflicht. Bei Verstößen drohen empfindliche Bußgelder.

Digitale-Versorgungs-Gesetz
Arzt kann (und soll) Online-Sprechstunden anbieten und Gesundheits-Apps fürs Smartphone werden eingeführt und wie Rezepte von der Krankenkasse übernommen.

Fotonachweis: Negative Space via pexels