Bundesverband Angeborene Gefäßfehlbildungen e.V.

Für den BV vor Ort: Maria Bäumer, Jutta und Werner Holtkamp

Woher wissen blutgefäßbildende Zellen, in welcher Anordnung und wohin sie wachsen sollen?
Wie entstehen Arterien und Venen? Diese und weitere Fragen werden in der Arbeitsgruppe von Dr. Arndt Siekmann in seinen Grundlagenforschungen am Zebrafisch untersucht.

Die Erkenntnisse, die Dr. Siekmann und seine Mitarbeiter erhalten, können u.a. zum besseren Verständnis von Erkrankungen des Gefäßsystems bei Menschen führen.

Der Bundesverband hat Dr. Arndt Siekmann als Referenten zum Patiententreffen vom 7.-9.9.2018 in Köln gewinnen können. Daher hat er Vertreter des BV nach Münster eingeladen um seine Forschungsarbeit zu erläutern. Maria Bäumer, Werner und Jutta Holtkamp folgten seiner Einladung und fuhren am 19.2.2018 nach Münster ins Max-Planck-Institut. Das Kennenlernen war für beide Seiten interessant: für uns BV Vertreter natürlich durch die Einsichten in die unmittelbare Forschung zum Thema Blutgefäßentwicklung und -entwicklungsstörungen, für Dr. Siekmann war es eine Aussicht in die Anwendungssgebiete „raus aus dem Elfenbeinturm" in eine konkrete Bedeutung seiner Forschung. Vielleicht entstehen so auch neue Ideen und Ziele.

Dr. Siekmann entwickelte mit seiner Arbeitsgruppe ein Verfahren, das am Modell Zebrafisch einzigartige Einblicke in die Gefäßbildung erlaubt. Mit einer besonderen Technik können sie die Blutgefäßbildung in erwachsenen Zebrafischen über mehr als einen Tag filmen und beobachten. Die Zellen, aus denen sich die Adern bilden, können sie dazu mithilfe von Genscheren gezielt anfärben indem sie Leuchtproteine produzierenden Gene einschleusen.

So entdeckten sie, dass der überwiegende Teil der sich neu bildenden Blutgefäße überraschenderweise aus Venen aussprosst. Es war gut zu erkennen, wie manche Venenzellen einen Bogen schlagen und entgegen der allgemeinen Wachstumsrichtung wandern und die späteren Arterien bilden.

Dr. Siekmann erklärte gut verständlich und es war unglaublich spannend und sehr beeindruckend diese Filme mit Blutfluss und Zellenbewegungen zu sehen.

Bei der Entwicklung des Gefäßdurchmessers konnte man wiederum durch farblich markierte Strukturen erkennen, dass die Größe nicht auf einer Zunahme der Zellenanzahl, sondern auf der Volumenvermehrung bei gleichbleibender Anzahl beruht.
Bei einer normalen Entwicklung stoppt die Volumenzunahme der Gefäße bei einer bestimmten Größe und wird dann wieder kleiner. Bei gestörten Prozessen findet dieser anpassende Effekt nicht statt und es kommt dauerhaft zu zu stark erweiterten Blutgefäßen.
Als Ursache für die normale korrigierende Rückbildung vermutet man eine Reaktion der Blutgefäßendothelzellen auf den Druck durch Blutstrom.

Gut zu beobachten ist auch, wie die normale Rückbildung eines embryonalen Gefäßes verläuft: anfangs besteht das Blutgefäß aus einem mehrzelligen Endothel. Dann erfolgt eine Reduzierung auf ein einzelliges Endothel und damit Volumenverringerung und Leiten des Blutstromes in andere aufnehmende Gefäße. Am Ende steht dann der vollständige Verschluss und Abbau des embryonalen Gefäßes.

Dr. Siekmann betonte, dass am Anfang der Grundlagenforschung die Bereitschaft steht, die Denkstrukturen in unseren Köpfen offen zu halten. Unbewußte Annahmen sind nicht immer richtig und stehen manchmal einer Erkenntnis im Wege.

Wir haben in unserem Termin von Dr. Siekmann spannende Informationen mit Bedeutung für die Gefäßfehlbildungen erhalten und sehen mit Zuversicht, dass es immer weitere Entwicklungen und Erkenntnisse auf dem Gebiet der Gefäßfehlbildungen gibt.
Eine engere Zusammenarbeit von Grundlagenforschung und Praxisarbeit ist wünschenswert und wird vom BV im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützt.

(MB)

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