Page 33 - Das Magazin 2019
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 Oktober 2019
   Auch bei jungen Menschen, die aufgrund ihrer Erkran- kung oder Behinderung nicht in der Lage sind, komplett für sich allein zu sorgen, muss überlegt werden, wie ih- nen mehr Selbständigkeit ermöglicht werden kann:
• Gibt es (Teil-)Aufgaben, die der Jugendliche trotz sei- ner Einschränkungen übernehmen kann?
• Gibt es Hilfsmittel für mehr Autonomie?
• Kann jemand anders Aufgaben übernehmen, wie zum
Beispiel ein Pflegedienst?
Fazit
Auch bei einem Leben mit besonderem Plan kommt die Übernahme der Verantwortung für die verschiedenen Lebensbereiche unweigerlich auf die Familien zu. Jede Familie sollte gemeinsam überlegen, wie dieser Prozess gestaltet wird, so dass die Jugendlichen in ihre neuen Aufgaben hineinwachsen können. Aber auch Eltern müs- sen erst langsam lernen, dass sie nun nicht mehr die allein verantwortlichen Entscheider sind, sondern zu- nehmend in der Rolle des Beraters oder Coachs. Denn in dieser sind sie weiterhin gefragt.
Umfragen belegen, dass Jugendliche und junge Erwachsene ihre Eltern als wichtigste Berater in Gesundheitsfragen sehen.
Eltern sollten darauf vertrauen, dass sie ihr Kind best- möglich vorbereitet haben, sodass es seinen Weg finden wird. Die Abgabe von Verantwortung ist kein Kontrollver- lust, sondern die Chance, eine neue und reifere Bezie- hung zwischen Eltern und Kindern aufzubauen!
      Gemeinsam den richtigen Weg finden - Tipps für Eltern
• Schritt für Schritt: Übertragen Sie dem Jugendli- chen schrittweise neue Aufgaben. So kann er lang- sam in die Verantwortung hineinwachsen, Überfor- derung wird vermieden.
• Erfolge bahnen: Fangen Sie mit den Aufgaben an, die der Jugendliche gut bewältigen kann. Ein erfolgreicher Start stärkt die Motivation zum Weiter- machen.
• Übung macht den Meister: Nehmen Sie sich Zeit, die Aufgaben zu erklären und gemeinsam zu üben. Wenn Ihre Beziehung derzeit zu angespannt ist, kann vielleicht jemand anders mit dem Jugendli- chen üben (z.B. Partner, ältere Geschwister, Behand- lungsteam, andere Betroffene).
• Viele Wege führen zum Ziel: Ihr Kind wird viel- leicht Einiges anders machen als Sie. Anders heißt aber nicht schlechter. Akzeptieren Sie, dass Ihr Kind die Aufgabe auf seine Weise erledigt und eigene Pri- oritäten setzt.
• Angemessene Ziele: Die Veränderungen in der Pubertät erschweren ein gutes Krankheitsmanage- ment. Den Jugendlichen sind andere Dinge wichtiger als ihre Erkrankung. Dies sollte ihnen zugestanden und bei den Therapiezielen berücksichtigt werden.
• Loben und Bestärken: Statt sich darauf zu konzen- trieren, was nicht klappt, sollten Sie die Fähigkeiten und Erfolge betonen. Trauen Sie Ihrem Kind die Auf- gaben zu und sagen Sie ihm das!
• Hilfe anbieten: Signalisieren Sie Ihrem Kind, dass es nicht allein ist und Sie bei Unsicherheiten gerne unterstützen. Fragen Sie aber vorher, ob Ihre Hilfe erwünscht ist.
      Auf dieser Internetseite finden Jugendliche und ihre Eltern weiterführende Informationen, Tipps und Erfah- rungsberichte zum Erwachsenwerden mit chronischer Krankheit (Arztwechsel, Liebe, Beruf u.a.m.):
u www.between-kompas.de
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