Page 21 - Das Magazin 2019
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 Oktober 2019
  Krampfschwelle senken (z.B. Neuroleptika, trizyklische Antidepressiva, Antibiotika, etc). Da die Interaktion von Medikamenten mit einer bestehenden Epilepsie abhän- gig von Dosierung, Ko-Medikation und anderen Faktoren wie Alter ist, muss in jedem Fall der behandelnde Neu- rologe/Epileptologe Ihre Medikation für Sie abstimmen.
Eine besondere Situation ist die Zeit direkt und mittelfristig nach einer symptomati- schen Blutung. Hier kann keine generelle Empfehlung gegeben werden.
Unterschiedliche Faktoren (Größe, Lokalisation der Blu- tung, extraläsionale Blutung, sicher durch Kavernom verursachte Blutung?, ggf. geplanter operativer Eingriff?, Indikation für „Blutverdünner“) müssen hier individuell berücksichtigt werden. Auch hier ergeben sich erfah- rungsgemäß, aufgrund des relativen jungen mittleren Alters von Patienten mit symptomatischen Blutungen, eher selten potentielle Konfliktsituationen mit einer be- stehenden Medikation.
2. Wen kann ich fragen, wenn mein behan- delnder Arzt nicht weiß, ob ich das Medika- ment nehmen darf?
Wenden Sie sich dann am besten an eine Klinik mit einer Spezialsprechstunde. Dort haben die beratenden Ärzte Erfahrung mit Seltenen Erkrankungen und können sich, wenn notwendig, einfacher auch interdisziplinär unter- einander abstimmen, um das Risiko-Nutzen-Verhältnis des Medikaments für Sie abzuwägen.
3. Welche Schmerzmittel darf ich nehmen?
Ein grundsätzliches Bedenken (siehe oben) besteht letztlich bei keinem Schmerzmittel. Gegen die Einnah- me gängiger Schmerzmittel spricht aktuell keine wis- senschaftliche Erkenntnis. Bei Medikamenten, die in das Gerinnungssystem eingreifen (vor allem NSAR), gilt der unter 1. erläuterte Aspekt.
4. Darf ich die "Pille" einnehmen?
Es gibt auch hier keine vorliegenden aussagekräftigen Studien, die einen Zusammengang untersucht hätten. Auf der anderen Seite gibt es bisher auch keinen indirek- ten oder pathophysiologischen Anhalt für einen Einfluss der „Pille“.
Wir halten die Einnahme der "Pille" daher für vertretbar.
5. Darf ich in den Wechseljahren Hormone nehmen, um die Beschwerden zu lindern?
Hier gilt das Gleiche wie unter Punkt 4. Studien liegen nicht vor. Ein möglicher Einfluss von Hormonpräparaten auf Kavernome ist unklar, es liegen jedoch aktuell kei- ne Hinweise für einen solchen vor. Die Einnahme von Hormonpräparaten in den Wechseljahren sollte je nach Beschwerdeintensität gestaltet werden. Ein grundsätzli- ches Bedenken liegt insgesamt nicht vor.
6. Welche Betäubungsmittel kann ich beden- kenlos verwenden? Lokalanästhesie?
Eine Vollnarkose für einen etwaigen opera- tiven Eingriff ist möglich und hat im Nor- malfall keinen Einfluss auf das Kavernom.
Gleiches gilt für typische Verfahren der Lokalanästhesie. In seltenen Fällen von schwerwiegenden Symptomen durch eine Kavernomblutung (z.B. Schluckstörung nach Blutung im Hirnstamm-Bereich) sind diese für die Narko- seeinleitung und Durchführung entsprechend individu- ell zu berücksichtigen.
7. Ist eine Grippeschutzimpfung bei Kaver- nom-Patienten grundsätzlich empfehlens- wert?
Bezüglich der Empfehlung zur Grippeschutzimpfung muss auf die STIKO (siehe z.B.uwww.rki.de) verwie- sen werden. Diese sehen wir komplett unabhängig von einer Kavernom Erkrankung.
8. Gibt es derzeit eine Propanolol-Studie? Wo kann ich mich dazu informieren, wenn Studienteilnehmer gesucht werden?
Propranolol ist ein nicht selektiver Beta-Blocker für den ein möglicher positiver Einfluss auf das Blutungsrisiko
  Schematische Darstellung eines intrazerebralen Kavernoms.
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