Page 20 - Das Magazin 2019
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 Oktober 2019
  Zerebrale kavernöse Malformationen (CCM) in Fragen und Antworten
Teil 1 (Medikamente und Freizeittätigkeiten)
Aufgrund der relativen Seltenheit von Kaverno- men des zentralen Nervensystems (ZNS) sind Hausärzte, niedergelassene Neurologen und auch Klinikärzte in neurologischen und neurochirurgi- schen Abteilungen manchmal unsicher, wenn Ihre Patienten spezielle Fragen haben oder ein Kaver- nom ungewöhnliche Symptome verursacht oder in einem besonders komplexen Bereich des ZNS liegt. Forschungsergebnisse sind rar und häufig nicht eindeutig zu interpretieren. Besonders die Übertragung von Erkenntnissen aus der Grund- lagenforschung in den klinischen Alltag und den Alltag des Patienten ist manchmal schwierig. Vie- le Fragen sind nicht eindeutig zu beantworten und insgesamt gilt, dass wir letztlich zu wenige Pati- enten im Langzeitverlauf untersucht haben um nach Kriterien der Medizinischen Evidenz belast- bare Aussage zu bestimmten Aspekten (Einfluss von Medikamenten, Einfluss von Lebensführung) zu machen1.
Definitive Antworten werden wir in vielen Fällen also erst in der Zukunft geben können. Trotz allem stehen uns aber mehr und mehr klinische Studien und die eigene klinische Erfahrung zur Verfügung, um auch seltenere gesundheitliche Aspekte für Patienten mit Kavernomen einschätzen zu können. Wir haben uns daher mit dem Patientenportaluwww.kavernom.de zusammengeschlossen, um spezielle Fragen von Patien- tenseite zu sammeln und diese im Lichte der verfügba- ren wissenschaftlichen Studien und klinischen Erfahrun- gen so weit wie möglich zu beantworten.
Medikamente
1. Welche Medikamente darf ich ausdrücklich nicht nehmen?
Das kommt auf die Situation an. Geht es um das Blu- tungsrisiko eines Kavernoms, lautet die Antwort zur Zeit: wir wissen es nicht genau. Leider liegen viel zu wenige und keine ausreichend aussagekräftigen Studien vor, um eine klarere Antwort zu geben. Die wenigen bisher vorliegenden retrospektiven Kohorten-Studien zur Ein- nahme von sogenannten „blutverdünnenden Medika- menten“ (vor allem ASS und Vitamin K-Antagonisten) haben aber kein Erhöhtes Risiko für Blutungsereignisse
PD Dr. med. Philipp Dammann
nahegelegt. Die Patientenzahlen in diesen Studien wa- ren jedoch sehr klein2, 3.
Das führt dazu, dass wir empfehlen, wenn eine klare Indikation für die Einnahme ei- nes blutverdünnenden Medikaments vor- liegt, dieses auch einzunehmen.
Zu Unterschieden des Blutungsrisikos zwischen Throm- bozytenaggregationshemmern wie ASS oder Clopido- grel, Marcumar oder den sogenannten neuen oralen Antikoagulantien kann entsprechend erst recht nicht be- lastbar Stellung bezogen werden. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang aber, dass es die pathophysiolo- gisch (Mikro-Thrombosen im Kavernom als Auslöser für Blutungen) zu begründende Hypothese gibt, eine Thera- pie mit einem „Blutverdünner“ könnte das Blutungsrisi- ko sogar senken.
Hier werden in Kürze erste Ergebnisse einer größeren Observationsstudie publi- ziert werden.
Was den Einfluss von anderen Medikamenten (z.B. Hor- monpräparate, Kortison, NSAR) auf das Blutungsrisiko an- geht, können aufgrund nicht vorliegender Studien keine generellen Aussagen gemacht werden. Klinischer Alltag und wissenschaftliche Fallberichte legen jedoch bisher keine besonderen Zusammenhänge nahe. Bei seltenen und potentiell in die Gerinnung und oder Gefäßentste- hung eingreifenden Medikamenten, muss immer im Ein- zelfall entschieden werden. Diese Situation trifft jedoch erfahrungsgemäß auf die meisten Patienten nicht zu. Eine andere Situation besteht bei Patienten mit Krampf- anfällen. Hier gilt es Medikamente zu vermeiden, die die
    Es liegen zu wenige und zu wenig aussagekräftige Studien vor.
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Foto: © KADMY - www.fotolia.de


















































































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