Page 52 - Das Magazin 2018
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 Dezember 2018
  Von Mobbing, Neustart und der Leidenschaft zu schwimmen
Der Erfahrungsbericht einer 14jährigen
Hallo! Mein Name ist Caroline, ich bin 14 Jahre alt und habe mehrere angeborene Gefäßfehlbildungen. Aber ich will alles von Anfang erzählen:
Als ich drei Jahre alt war, hatte ich eine sehr schwere Blutvergiftung, die ich fast nicht überlebt hätte. In dieser Zeit lag ich drei Wochen im Krankenhaus, die Hälfte da- von auf der Intensivstation. Danach habe ich die Diagno- se Lymphangiom bekommen. Als ich nach der schweren Erkrankung wieder gehen konnte, besuchte ich ganz nor- mal, wie alle anderen Kinder, den örtlichen Kindergarten. Mit fünf Jahren dann aber wieder der Schock, ich hatte wieder eine Blutvergiftung - dieses Mal aber zum Glück nicht so schlimm wie bei der ersten. Meine Eltern ver- muteten schon, dass es wieder eine Blutvergiftung ist, und haben sofort den Krankenwagen gerufen und nicht bis zum Morgen gewartet. Allerdings wollte der Kranken- wagen zuerst nicht kommen, warum auch immer. Meine Mutter hatte dann noch ein zweites Mal angerufen, und da habe ich dann im Hintergrund sehr stark geweint. Und erst dann sein sie gekommen.
Nach der ersten Diagnose "Lymphangi- om" habe ich nun nach dieser neuen Akut- infektion die Diagnose "Hämangiom" be- kommen. Und etwas später dann noch die Diagnose "Venöse Malformation".
Ich wurde dann ganz normal eingeschult. In der Schule hatte ich zwar mit meinem Bein ein paar Einschränkun- gen, aber ich kam ganz gut zurecht, und meine Klassen- kameraden hatten zu diesem Zeitpunkt auch Verständnis dafür. Sie haben mich sehr gut unterstützt und mir sogar auch geholfen bei sehr vielen Dingen. Bis ich eine Klasse wiederholen musste. Ich musste nämlich die dritte Klas- se aufgrund der vielen Fehlzeiten wiederholen. Und ir- gendwie hatten meine neuen Klassenkameraden etwas gegen mich. Sie konnten mich einfach nicht leiden.
Sie haben mir meine Krücken weggenom- men und mich gezwungen, so zu laufen, obwohl ich das gar nicht konnte. Sie haben mich verspottet und auf mich eingetreten.
Irgendwann wurde es mir zu viel. Eine Zeitlang habe ich es niemandem erzählt, nur irgendwann konnte ich nicht
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Caroline S.
mehr, und ich habe es meiner Familie erzählt. Sie waren natürlich total fassungslos und haben sich sofort mit der Schule in Verbindung gesetzt. Und dann ging das Mob- bing erst richtig los.
Meine Eltern haben mich dann auf einer anderen Schu- le angemeldet, da der Wechsel in die fünfte Klasse an- stand. Dort bin ich noch heute und bin auch im Internat. Es ist richtig toll! Es ist ein Internat für körperbehinderte und nicht körperbehinderte Kinder und Jugendliche.
Ich habe dort einen Neustart gemacht. Und bald fand ich zu meiner heutigen großen Leidenschaft, dem Schwimmen.
Begonnen hatte das Ganze zunächst nur mit einer Schwimmtherapie. Dann haben die Therapeuten be- merkt, dass ich sehr gut schwimmen kann. Bald darauf durfte ich zu einem Probetraining der Schwimmmann- schaft der Schule, obwohl ich noch zu jung war. Und ich wurde aufgenommen.
Inzwischen bin ich die beste Schwimmerin der Schule. Jetzt bin ich sogar mehrfache Medaillenträgerin, unter anderem auch BW-Meisterin 2017.
Wahrlich, keiner ist weise, der nicht das
Dunkel kennt. (Hermann Hesse)
     
















































































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