Page 37 - Das Magazin 2018
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 Dezember 2018
   Schemazeichnung einer arteriovenösen Malformation
(aus Steiger, Brückmann, Mayer, Schmid-Elsässer "Arteriovenöse Malformationen" Springer Verlag Heideberg, New York)
Blutungsneigung bestehen könnte, also eine Routineuntersuchung zur eigenen Sicherheit. Sobald ein Arzt aus dem Team von Prof. Dr. Brassel zum Aufklä- rungsgespräch hinzukommt, wird genau erklärt, was gemacht werden soll. Außerdem beschreibe ich meine der- zeitigen Beschwerden, damit beson- ders darauf geachtet wird, weil die Em- bolisation diese beseitigen soll. Das hat bislang auch immer funktioniert.
Was ist nun eine Embolisation?
Das Ziel einer Embolisation ist es, ein
Blutgefäß vorübergehend oder dau-
erhaft zu verschließen, wobei bei Fehlbildungen von Blutgefäßen, wie in meinem Fall, immer der dauerhafte Verschluss das Ziel ist. Weitere Möglichkeiten für eine Embolisation sind zum Beispiel eine innere Blutung zu stillen, einen Tumor von der Blutversorgung abzutren- nen, ein erkranktes Organ (Niere/Milz) auszuschalten, Veränderungen von Blutgefäßen (Fisteln) oder einen operativen Eingriff zu ermöglichen, bei dem andernfalls starke Blutungen auftreten könnten.
Die Embolisation erfolgt bei mir und bei den meisten Patienten mit meinem Krankheitsbild in Vollnarkose, wo- bei die Aufklärung dazu gesondert durch die Anästhesie erfolgt.
Der Ablauf einer Embolisation
Bei Beginn des Eingriffs wird eine Kanüle (Hohlnadel) in meine Schlagader in der Leiste eingebracht, und dadurch wird ein Führungsdraht in das zur Embolisati- on vorgesehene Blutgefäß vorgeschoben. Unter Rönt- genkontrolle wird über den Führungsdraht ein dünner Kunststoffschlauch (Katheter/ Mikrokatheter) gelenkt. Der Führungsdraht wird wieder entfernt, und dann wird über den Katheter das Kontrastmittel eingespritzt, so- dass die Gefäße per Röntgenbild dargestellt werden können. Diese Röntgenbilder dienen dazu, das weitere Vorgehen zu klären oder über den Befund zu entschei- den. In meinem Fall werden die letzten Aufnahmen mit den neuen verglichen, und meine Beschwerden können dadurch ebenfalls erklärt und beseitigt werden.
Wenn ein Gefäß verschlossen, also embolisiert werden soll, so kann mithilfe eines Spezialkatheters ein ablös- barer Ballon, Medikamente, Kunststoffkügelchen, eine Metallspirale oder ein Gewebeklebstoff eingebracht werden.
Bei mir wurde bisher immer ein Gewebe- klebstoff namens "Onyx" verwendet, um die Gefäßfehlbildungen zu verschließen.
Der Gewebekleber wurde meistens durch die Haut, aber unter Röntgendiagnostik, eingespritzt, da meine Gefäße dazu neigen, schnell zu krampfen. Nachträglich spüre ich an diesen Stellen eine leichte Verhärtung, welche in der kurzen Zeit von 14 bis 21 Tagen wieder elastisch wird. Und auch eingetretene Bewegungseinschränkungen sind fast im gleichen Zeitraum wieder verschwunden. Der Gewebekleber "Onyx" hinterläßt nach der Embolisa- tion einen eigenartigen Geruch, den nicht nur ich als Pa- tientin wahrnehme, sondern auch das Umfeld. Aber auch diese seltsame Nebenwirkung verschwindet innerhalb von fünf bis sieben Tagen.
Gibt es Risiken bei einer Embolisation?
Jeder Eingriff beinhaltet fast immer Risiken, ebenso die Embolisation, und diese Risiken möchte ich hier kurz er- wähnen:
• An der Einstichstelle kann es zu örtlichen Verhärtun-
gen und/ oder Verfärbungen der Haut kommen.
• Durch den Führungsdraht oder den Katheter kön- nen Blutgefäße verletzt oder durchstoßen werden, was wiederum zur Bildung von Blutergüssen führen
kann, die schmerzhaft sein können.
• Sehr selten treten Nachblutungen an der Ein-
stichstelle auf, die eine Operation oder sogar eine Bluttransfusion nötig machen würden. Daher wird auch nach dem Eingriff ein Druckverband auf der Einstichstelle angelegt, und 24 Stunden Bettruhe wird außerdem verordnet.
• Auch ein Thromboserisiko besteht, welches aber durch die Gabe von Heparin gemindert wird, um ei- nen Gefäßverschluss oder eine Embolie zu verhin- dern.
• Nervenschädigungen oder auch örtlich auftreten- de Gewebeschäden (Nekrosen) sind selten, ebenso eine Infektion/ ein Abzess durch die Einstichstelle oder eine dadurch entstehende Keimverschleppung.
• Noch erwähnenswert sind vorübergehende oder sehr selten auch bleibende Nervenschädigungen der Haut- und Muskelareale.
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