Page 27 - Das Magazin 2018
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 ten. Jedoch lässt es sich meistens auf ein ganz banales Kriterium herunterbrechen, nämlich die Erreichbarkeit. Erreichbarkeit hat für unsere Patienten oberste Prio- rität. Einen Ansprechpartner in Form einer Case und Care Managerin zu haben, der den Weg in eine Gefäß- anomalie-Sprechstunde vorbereitet und begleitet, ist ein entscheidender Faktor. Verbindlichkeit ist für uns zum zentralen Schlagwort geworden", schildert Frau Krebs aus ihrer täglichen Praxiserfahrung. Die Zugangs- wege zu spezialisierten Zentren müssen vielfältig sein. Klassische Kommunikationsmedien wie Telefon und Fax werden ebenso verwendet wie E-Mails und das Internet. Aber auch die Zusammenarbeit und Wissensverbreitung durch niedergelassene Ärzte, Kliniken und Krankenkas- sen, die über das Behandlungsangebot informieren kön- nen, sind wichtige Aspekte.
Nicht zuletzt sind Verbände wie der "Bun- desverband Angeborene Gefäßfehlbildun- gen e.V." und Fachgesellschaften wie die "Deutsche Interdisziplinäre Gesellschaft für Gefäßanomalien" ein wichtiger Baustein in der Vermittlung von Patient und Zentrum.
Um der Komplexität von Gefäßanomalien gerecht zu werden und eine effiziente Vorstellung in der Sprech- stunde zu gewährleisten, ist es notwendig, dass die Erst- vorstellung standardisiert abläuft. Hierzu gehören, laut Frau Krebs, bereits im Vorfeld ein ausführliches Gespräch zwischen Patient und Case und Care Management und das Zusammenführen aller, bereits vorhandener, Befun- de, Arztbriefe und bildgebenden Untersuchungen. Eben- so erleichtern standardisierte Anamnese- und Schmerz- fragebogen den Behandlungsprozess für alle Beteiligte genauso wie Patientenflyer mit Informationen zu Erkran- kung und möglichen Behandlungsoptionen.
Im Anschluss daran berichtete Frau Prof. Dr. M. Sadick über das erforderliche diagnostische Spektrum für die Diagnostik von Gefäßanomalien. Die Vorgehensweise lässt sich hierbei schön anhand einer Pyramide erklären:
Grundlage einer fundierten Therapieempfehlung bildet das Arzt-Patient-Gespräch, die klinische Inspektion und das Zusammentragen klinischer und diagnostischer In- formationen zu dem Betroffenen.
Die bildgebenden Modalitäten in der Radiologie umfas- sen die Sonographie, also den Ultraschall, der ein wert- volles Screening Werkzeug für die Lokalisation, Ausdeh- nung und Beschaffenheit einer Gefäßanomalie bildet. Ergänzt wird der Ultraschall durch die Farbduplex-Sono- graphie, die die Flußcharakterisierung einer Gefäßano- malie zulässt. Die konventionelle Röntgendiagnostik spielt bei Gefäßmalformationen eine eher untergeord- nete Rolle, kann aber bei der Diagnosesicherung von ve- nösen Malformationen hilfreich sein.
Als weiteren diagnostischen Baustein stellt Frau Prof. Sadick die Computertomografie vor. Vorteile des Ver- fahrens sind die Schnelligkeit, eine kurze/ keine Nar- kose bei Kindern, die überlagerungsfreie multiplanare Darstellung, eine dynamische 4D-Bildgebung und die Möglichkeit einer Perfusionsdiagnostik. Die Vorteile sind stets gegen die möglichen Nachteile des Verfahrens, nämlich Strahlenexposition, und die Notwendigkeit von jodhaltigem Kontrastmittel mit dem Risiko einer Nieren- funktionsstörung oder einer Schilddrüsenüberfunktion, abzuwägen.
Die häufigste bildgebende Untersuchung von Gefäßmal- formationen stellt die kontrastmittelgestützte Magnet- resonanztomographie dar. Dieses Schnittbildverfahren eignet sich sowohl für Weichteil- als auch Knochendiag- nostik. Ebenso wird die Flußdynamik einer Gefäßanoma- lie evaluiert. Hierbei fällt weder eine Strahlenexposition noch die Notwendigkeit der Gabe von jodhaltigem Kon- trastmittel an. Die Notwendigkeit einer Sedierung von Kindern für die MRT und längerer Untersuchungszeiten muss abgewogen werden. Sonographie, Röntgendiag- nostik, Computertomographie und Magnetresonanzto- mographie zählen zu den nicht-invasiven diagnosti- schen Bildgebungsverfahren.
Daneben beschreibt Frau Prof. M. Sadick auch den Ein- satz invasiver Verfahren. Die Phlebographie, also eine perkutane Venendarstellung mit jodhaltigem Kontrast- mittel, lässt eine Beurteilung der venösen Gefäße und möglicher Abflussstörungen zu. Die Katheterangiogra- phie dient der transarteriellen Darstellung von Arterien. Phlebographie und Angiographie werden in der Regel in- traprozedural, also während der Behandlung, eingesetzt. „Ein pauschales Schema in der Diagnostik von Gefäß- anomalien gibt es nicht. Im Sinne der Qualitätssiche- rung arbeiten wir nach Standards und folgen den Emp- fehlungen der aktuellen wissenschaftlichen Literatur. Jedoch ist in jedem Fall gemeinsam mit dem Patienten ein individuelles Vorgehen festzulegen", sagt die Inter- ventionelle Radiologin abschließend, bevor sie sich den Fragen des Publikums stellt.
In zahlreichen persönlichen Gesprächen in den Pausen der Veranstaltungen konnten Patienten oder Angehöri- ge auch nochmal ganz privat Ihre Fragen und Anliegen loswerden bzw. Kontaktdaten austauschen. Es war eine sehr gut organisierte und eindrucksvolle Veranstaltung. Wir danken dem Bundesverband für die Einladung nach Köln und die hervorragende Organisation und hoffen auch, weiterhin in intensivem Austausch mit allen Betei- ligten bleiben zu können.
Dezember 2018
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