Page 23 - Das Magazin 2018
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 Falle mehrere Tausend Patienten von Nöten, um die Wirksamkeit ei- nes Medikamentes zu prüfen. Und diese müssten über mehrere Jahre nachverfolgt werden.
Eine weitere klinisch relevante Erkenntnis aus dem Bereich der MRT-Forschung von Kavernomen basiert teilweise auf Daten unse- rer eigenen Forschungsgruppe. Es häufen sich die Hinweise, und wir konnten dies in einer aufwen- digen humangenetischen und kernspintomographischen Studie bestätigen, dass die Verbindung mehrerer Kavernome (eigentlich hinweisend auf eine familiäre, vererbbare Form der Erkrankung) mit einer sogenannten anlagebe- dingten venösen Anomalie (DVA) grundsätzlich gegen das Vorlie- gen einer familiären Erkrankung spricht4. Dies lässt sich letztlich routinemäßig in einem konventi- onellen MRT untersuchen und hat natürlich für die entsprechende Beratung der Patienten eine direk- te Konsequenz (Abb. 1).
Aktuelle Daten einer anderen
Arbeitsgruppe, die den Zusammenhang zwischen er- höhtem Blutungsrisiko und dem Nachweis einer assozi- ierten DVA mit einem einzelnen Kavernom nahelegen5, sollten zunächst weiteren Überprüfungen unterzogen werden, da die Datenlage hier noch als relativ unklar anzusehen ist.
Wichtiger für den Behandler als für den Patien- ten sind neue Forschungsergebnisse zum operati- ven Vorgehen und zur postoperativen MRT-Kontrolle bei Kavernom Resektionen aus dem Jahr 2017. Zu- sammenfassend konnte gezeigt werden, dass an- hand von bildmorphologischen MRT-Kriterien vor einer Operation das operative Ergebnis relativ gut ab- geschätzt werden kann, was eine Hilfestellung in der Entscheidungsfindung für oder gegen eine Operation bieten kann6. Die MRT hat sich in der Resektionskont- rolle direkt nach der Operation auf der anderen Seite jedoch als sehr störanfällig gezeigt. Um die Resektion ei- nes Kavernoms zu kontrollieren, ist in den meisten Fällen die MRT nach drei Monaten wesentlich aussagekräftiger7.
Eine ganze Bandbreite aktueller und vor al- lem für den Patienten relevante Erkenntnis- se wurden auch in der Richtlinien-Synopsis des Interessenverbandes Angioma Alliance (USA) im Jahr 2017 zusammengefasst8:
Bezüglich den Risiken einer Kavernom-Blutung wäh- rend einer Schwangerschaft lässt sich festhalten, dass die vorliegenden Studien9 hier im Großen und Ganzen kein erhöhtes Blutungsrisiko feststellen konnten. Da- her gilt auch, dass letztlich keine Vorbehalte gegen eine spontane vaginale Geburt bei einer asymptomati- schen Patientin ohne aktuelles Blutungsereignis beste- hen. Ausnahmen sind, zum Beispiel bei Lokalisation im Hirnstammbereich oder im Bereich der Basalganglien, individuell und interdisziplinär zu diskutieren.
Die Frage nach dem zusätzlichen Blutungsrisiko bei Einnahme von Gerinnungshemmern ist, wie bereits er- wähnt, nicht abschließend geklärt. Da keine kontrol- lierten Studien vorliegen, muss die aktuelle Datenlage vorsichtig interpretiert werden. Plättchenaggregations- hemmer (z.B. ASS) und Antikoagulantien (z.B. Marcumar) scheinen kein zusätzliches oder nur ein sehr gering er- höhtes Blutungsrisiko zu bewirken10,11. Besteht eine ein- deutige Indikation zur Gabe der Medikamente, besteht hier also keine Kontraindikation durch das Kavernom. Anders sieht es bei kombinierten Therapien mit mehre- ren gerinnungswirksamen Medikamenten aus. Hier lie- gen bisher keinerlei Daten vor, sodass jeweils im Einzel- fall entschieden werden sollte.
Wie im Ranking der Top-Ten-Prioritäten-Liste ersichtlich, taucht auch in unserer Sprechstunde immer wieder fol- gende Frage auf:
Dezember 2018
   Abb. 1: Die Bilder zeigen UltraHochfeld MRTs eines Gehirns in sogenannter axialer Schnittfüh- rung. Der vorliegende Fall ist insofern interessant, als dass er die Vielschichtigkeit multipler Kavernome aufzeigt. Es handelt sich um das MRT eines asymptomatischen Patienten. Trotz der massiven Anzahl an Kavernomen ("schwarze Flecken" im Bild) liegt durch diese keine Beeinträchtigung vor, was ob der schieren Anzahl erstaunt, aber sehr häufig bei Kavernomato- sen vorkommt. Das venöse Gefäßsystem des Patienten ist unauffällig (es liegt keine DVA vor). Man würde in diesem Fall auf eine familiäre Erkrankung und entsprechende Familienanam- nese tippen. Genetische Abklärung und Familienanamnese waren jedoch ebenfalls unauffäl- lig. Die Besonderheit in diesem Fall ist jedoch zusätzlich die Ausprägung der Läsionen fast ausschließlich in einer Hirnhälfte. Dies wiederum legt nahe, dass es sich um eine sogenannte somatische Mutation handelt, die zwar zu multiplen Kavernomen führt, aber hauptsächlich in bestimmten Territorien. Diese Mutationen sind wiederum nicht erblich.
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(Bildmaterial des Erwin L. Hahn Institutes Essen)






















































































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