Page 50 - Das Magazin 2017
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 Juni 2017
  „Gemeinsamkeit ist wichtig, man muss nicht alles alleine schaffen!“
Vor wenigen Jahren, genau in dieser Tiefphase, kam ihr unerwartete Hilfe entgegen. Vorerst fuhr die Frau nur zur Laserbehandlung ihres Feuermals regelmäßig in das KH der Barmherzigen Schwestern nach Linz. Dort wur- de sie mehrmals von einer Ärztin auf einen kompeten- ten Arzt hingewiesen, der ihr mit ihrer Krankheit helfen konnte. Geprägt von den bisher schlechten Erfahrungen lehnte Gabriela ab, bis sie sich schließlich dachte, noch schlimmer könne es nicht mehr werden und sich ent- schloss, besagten Arzt doch zu konsultieren. Herr Primar P. Waldenberger stellte ihr zum ersten Mal die richtige Diagnose: Venöse Malformation. Er erklärte ihr in aller Ausführlichkeit die Krankheit, kümmerte sich um eine psychologische Betreuung für die Patientin und begann mit der Behandlung. Ohne blutige Operation wurde in den riesigen Blutschwamm, der unter ihrer Haut wucher- te, mit feinen Nadeln ein Schaum injiziert, der die Gefäß- wand zerstörte. Der Arzt war stets ehrlich und machte ihr keine Versprechungen, die er nicht erfüllen konnte.
„Ich habe eine Eigenverantwortung. Niemand kann mir helfen, wenn ich selber nicht mit- mache.“
14 Behandlungen später ist der Blutschwamm schon fast verschwunden und Gabriela Stadlmann weiß heute, dass ihre Krankheit chronisch ist - zwar gut behandel- bar, jedoch nicht heilbar. Damit kann sie gut leben, sie hat sich darauf eingestellt, immer wieder Behandlungen machen lassen zu müssen. Sie hat ihr Leben strukturiert und völlig umgekrempelt. Dank ihrer Krankheit hat sie ein anderes Bewusstsein ihrem Leben und ihren Werten gegenüber erlangt. Sie treibt regelmäßig Sport, setzt auf gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf. Sie gönnt sich Ruhe- und Regenerationszeiten und hat auch ge- lernt, Hilfe anzunehmen. Ohne die Betäubung durch Ta- bletten und Alkohol spürt sie wohl den Schmerz inten- siver, doch dafür ist ihr Verstand wach und hell, und sie nimmt ihr Leben und ihre Umgebung bewusst wahr.
„Alle Krankheiten haben einen gemeinsamen Nenner.“
Niemand weiß, wie weit seine Kräfte gehen, bis er sie versucht hat.
(Johann Wolfgang von Goethe)
    &
Buchtipp
 Julie Bruns hat für den BV das Buch gelesen: Zoë von Clay Carmicheal
ISBN 978-3-446-23841-1 Hanser Verlag
Das Mädchen Zoë ist eigensinnig und wild, sie geht ihre eigenen Wege!
„Das Buch zeigt, das auch junge Menschen schon mal viel durchmachen müssen obwohl sie gar nichts dafür können.
Aber Zoë, die mit 11 Jah-
ren so viel mit ihrer Fami-
lie durchmachen musste,
ist immer stark geblieben
und hat sich nicht aufge-
geben. Ich fand das Buch
sehr interessant, weil es
viele Emotionen, Höhen
und Tiefen hat. Auch ich habe mit meinen 13 Jahren viel erlebt und durchgemacht, was viele Kinder gar nicht so kennen. Aber egal, was man schon in jungen Jahren erlebt hat, man darf sich nie aufgeben, man muss kämpfen, egal wie schlecht es einem geht". Anmerkung C. Hautkappe: Man kann wohl sagen ein Jugendbuch mit Tiefgang, es ist mehrfach ausge- zeichnet und hat auch mir als Erwachsener gefallen.
        So paradox es klingen mag, hat ihr doch die Krankheit zu einem neuen Leben verholfen. Erst durch den tiefen Schmerz war sie bereit, etwas zu unternehmen. Seit sie begonnen hat, ihre Krankheit anzunehmen, sie als einen Teil von sich anzusehen, geht es ihr besser.
Ihre Erfahrungen teilt sie gerne mit Betroffenen und al- len, die Hilfe annehmen möchten. Sie hat eine Selbsthil- fegruppe für Menschen mit angeborenen Gefäßfehlbil- dungen ins Leben gerufen:
u www.blutbahn.at
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Foto: © Kathrin Sachse







































































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