Page 44 - Das Magazin 2017
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 Juni 2017
  180° Wende meines Lebens
Hallo liebe Leserinnen und Leser, mein Name ist Natasha, und ich bin 18 Jahre alt. Mit meinem Be- richt möchte ich Ihnen einen kleinen Einblick in eine Zeit voller Veränderungen, herausfordernder Situationen und Neuorientierungen gewähren.
Alles begann mit einem vermeintlich harmlosen Krib- beln in der linken Gesichtshälfte und der linken Hand. Zunächst beobachteten wir es, doch selbst nach ein paar Tagen hörte es nicht auf. So gingen wir nach ca. 1 1⁄2 Wo- chen in die Notaufnahme nach Darmstadt, um mich un- tersuchen zu lassen. Nach vielen Untersuchungen hieß es dann, dass ich stationär aufgenommen werden muss.
In den darauffolgenden Stunden und Tagen erhielten wir dann die Ergebnisse und die Diagnose: Kavernom im Hirnstamm.
Daraufhin informierten sich meine Eltern bei Ärzten und auch im Internet über die korrekte Vorgehensweise. Zu- nächst bestand noch kein Handlungsbedarf, da sich der Zustand wieder beruhigt hatte und wir Hoffnung hatten, dass es sich nicht wiederholt. Nun verging erstmal eine Weile, in der es keine weiteren Zwischenfälle gab.
Doch als ich am 22.01.2016 aufwachte, schien es, als ob die Welt sich drehte. Mir war unglaublich schwindlig, ich musste mich bei jeder zweiten Bewegung überge- ben und mein Kopf drohte zu platzen, so heftig waren die Schmerzen. Ich konnte gerade noch meine Mutter verständigen, sodass sie sofort kam und den Notarzt rief. Dieser fuhr mit mir direkt ins Krankenhaus, wo ich dann untersucht und sofort behandelt wurde. Nach ein paar Stunden wurde ich dann auf die neurologische Inten- sivstation verlegt. Dort wurde ich ständig überwacht und dementsprechend weiterbehandelt. Nun war klar, dass
Natasha G.
es die typischen Merkmale einer relativ großen Gehirn- blutung waren. Jetzt war eine Operation unumgänglich. So leiteten meine Eltern und insbesondere meine Mut- ter, die sich im Internet mithilfe des Informationsportals für cerebrale Cavernome u www.cavernom.de (sie- he dazu Seite 11) ein großes Wissen über die Krankheit aneignete, alles in die Wege, um mich schnellstmöglich in die Neurochirurgie des Universitätsklinikums Essen zu verlegen. Dort hatten sie den Kontakt zu Professor Sure herstellen können, welcher sich auf meine Krankheits- form spezialisiert hat und meiner zeitnahen stationären Aufnahme sofort zustimmte. Nach drei Tagen auf der In- tensivstation in Darmstadt ging es mir etwas besser, und ich konnte nach weiteren zwei Tagen am 27.01. per Heli- kopter ins Uniklinikum Essen überführt werden.
Auf der Wachstation lernte ich die für mich zuständigen Ärzte und Herrn Prof. Sure kennen, der mich über die Risiken und eventuell nach der Operation auftretenden Einschränkungen wie Lähmungen, Seh- und Sprachstö- rungen, Gleichgewichtsstörungen etc. aufklärte. Durch die vielen auf mich einstürzenden Eindrücke war ich mir der Tragweite dieses Gespräches nicht wirklich bewusst, und so machte mir die am Morgen des 29.01. um 07.00 Uhr eingeleitete OP auch keine große Angst.
Am Nachmittag erwachte ich auf der Intensivstation all- mählich aus der Narkose. Man teilte mir mit, dass die OP gut verlaufen sei und das Kavernom vollständig entfernt werden konnte. Am Abend durften meine Eltern mich dann erstmalig besuchen, und ich meldete Appetit auf eine Pizza an, von der ich dann auch tatsächlich ein klei- nes Stück essen konnte. Schmerzen hatte ich durch die Medikamente kaum, jedoch ausgeprägte Doppelbilder, die mir Schwindel und Übelkeit verursachten. Vor allem die Doppelbilder sollten mich noch lange begleiten. Durch den Eingriff habe ich im Nackenbereich eine zirka acht Zentimeter lange Narbe mit einer Platte darunter. Durch die sehr kompetente und liebevolle Versorgung
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Die stärksten Leute sind nicht die, die immer gewinnen.
Es sind die, die nicht aufgeben, wenn sie einmal
verloren haben. (unbekannt)
Foto: © Kathrin Sachse



















































































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