Page 31 - Das Magazin 2017
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Lackner et al., 2013; Rössler et al., 2016). Eine klinische Stu- die mit Sirolimus wurde in den USA für Patienten mit Ge- fäßfehlbildungen durchgeführt, die eine hohe Ansprech- rate auf die Behandlung zeigte (Adams et al., 2016).
Bei Überwuchssyndromen wurde über erste Erfahrungen mit Sirolimus in einem Fallbericht aus Australien im Jahr 2008 (Marchal et al., 2008) berichtet: Sirolimus zeig- te einen erfolgreichen Therapieverlauf bei einem Kind mit Überwuchssyndrom und PTEN-Keimbahnmutation. Eine weitere Veröffentlichung aus den USA aus dem Jahr 2011 berichtete über die erfolgreiche Behandlung eines Patienten mit Überwuchs am Unterarm, verursacht durch eine PTEN Mutation (lacobas et al., 2011). Sirolimus wurde im „off-label use“ zur Behandlung von segmen- talen Überwuchssyndromen bei Patienten bereits einge- setzt. Erste erfolgreiche Ergebnisse sind als Fallberichte (Schmid et al., 2014) verfügbar.
Die Klinische Studie
Bei einer klinischen Studie wird eine Behandlung un- ter strengen Auflagen des Arzneimittelgesetztes (AMG) durchgeführt und regelmäßig kontrolliert sowie doku- mentiert. Klinische Studien dienen dazu, detaillierte In- formationen über die Wirkung bestimmter Medikamente zu sammeln. Dies betrifft die Wirksamkeit und auch die Nebenwirkungen von Medikamenten. Im Gegensatz zu „individuellen Heilversuchen“, bei denen auch Medika- mente außerhalb der zugelassenen Anwendungsemp- fehlung eingesetzt werden, sind Patienten in klinischen Studien versichert und die Behandlung wird in ausge- wiesenen Studienzentren durchgeführt. Klinische Studi- en sind wichtig, weil erst durch standardisierte Prüfpläne und verschiedene Patienten Vergleiche möglich sind, die zu klaren Aussagen über Ergebnis, Dosis und Gefahren führen können.
Vor dem Beginn der Therapie im Rahmen von klinischen Studien findet ein ausführliches Aufklärungsgespräch mit einem Prüfarzt statt. Die Patienten oder bei Min- derjährigen auch die Sorgeberechtigten, erhalten diese Informationen zur Studie auch in schriftlicher Form, die sogenannte Patienteninformation. Nach freiwilliger Zu- stimmung zur Teilnahme an der Studie unterzeichnet der Patient und bei Minderjährigen auch die Sorgeberechtig- ten eine schriftliche Einverständniserklärung. Im Vorfeld zur Studie wird klar definiert, welche Patienten teilneh- men können, die sogenannten Ein- und Ausschlusskrite- rien werden im Prüfplan genau festgelegt. Der Prüfplan wird im Vorfeld sowohl von der Arzneimittelbehörde als auch von der Ethikkommission überprüft und geneh- migt. Dies betrifft auch alle Unterlagen, die im Rahmen der klinischen Studien eingesetzt werden.
Studie 1: VASE Studie zur Überprüfung von Sirolimus bei Gefäßanomalien, die auf Stan- dardtherapie nicht ansprechen
Die VASE Studie (EudraCT-Nr. 2015-001703-32) ist eine Phase III multizentrische Studie zur Überprüfung von Ef- fektivität und Sicherheit von Sirolimus bei solchen Ge- fäßanomalien, die auf Standardtherapie refraktär sind. In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Laurence Boon an der Universitätsklinik in Brüssel/Belgien, soll in Freiburg eine Phase III klinische Studie durchgeführt werden, bei der Patienten mit Gefäßfehlbildungen eingeschlossen werden können, die auf die Standardtherapie (Chirurgie und/oder interventionelle Radiologie) keine Wirksam- keit gezeigt haben oder bei denen ein großes Risiko für Komplikationen besteht.
In dieser klinischen Studie soll die Wirksamkeit von Siro- limus statistisch untersucht werden. Es sollen in Belgi- en, Frankreich, England und Deutschland ungefähr 250 Patienten (200 Erwachsene und 50 Kinder) in diese klinische Studie eingeschlossen werden. Die deutsche
Juni 2017
   Nebenwirkungen von Sirolimus (Synonym: Rapamycin)
 Bis zu 10 von 100 Patienten hatten:
• Infektionen (Pilzinfektionen, Harnwegsinfekt, Herpes)
• Blutbildveränderungen (Abnahme der weißen Blutkörperchen, Abnahme der Blutplättchen (für die Gerinnung), Abnahme des
roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin))
• Stoffwechselveränderungen (erhöhter Blutzucker, erhöhte
Blutfette)
• Atemwegserkrankungen (infektiöse Lungenentzündung, chro-
nische Entzündung der Lunge, Nasenbluten)
• Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes (Bauchschmerzen,
Schleimhautentzündungen, Verstopfung, Übelkeit, Durchfall,
Magenirritationen)
• Erhöhte Leber- oder Nierenwerte
• Störungen des Allgemeinbefindens (Kopfschmerzen, Fieber,
Schmerzen, Wundheilungsstörungen, Schwellung der Glied-
maßen, Gliederschmerzen)
• Menstruationsstörungen (bei Frauen)
• Hautveränderungen (Hautausschlag, Akne)
• Vermehrt Eiweiß im Urin
Bei 10 von 100 bis 1 von 100 Patienten traten folgende Neben- wirkungen auf:
• Lungenblutung
• Wassereinlagerung
• Starke Blutbildveränderungen (Abnahme aller Blutwerte)
• Nephrotisches Syndrom (große Menge Eiweiß im Urin, Was-
sereinlagerungen, Veränderungen der Laborwerte)
• Hautveränderungen (Ablösung von Haut)
• Hautkrebs
• Bei weniger als 1 von 100 Patienten traten folgende Neben-
wirkungen auf:
• Lymphome (z.B. durch EBV Infektion oder EBV Reaktivie-
rung) Bei Lymphomen handelt es sich um Lymphdrüsen- krebs, der durch ein Virus, z.B. das EBV verursacht wurde. Da Sirolimus das Immunsystem schwächt kann es selten zu diesen Lymphomen kommen. Eine EBV Infektion wird deshalb während der Einnahme von Sirolimus regelmäßig überprüft, da diese auch ohne Symptome auftreten kann.
• Passagere Spermienfunktionsstörung (männliche Patienten)
• Die Zeugungsfähigkeit kann unter Sirolimus Therapie bei
Männern gestört sein. Diese Störung erholt sich aber nach Ende der Sirolimus Therapie. Es muss darauf hingewiesen werden, dass bei Kindern vor der Pubertät keine ausrei- chenden Daten vorliegen, ob eine Therapie mit Sirolimus für die spätere Zeugungsfähigkeit eine Rolle spielen kann.
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