Page 23 - Das Magazin 2017
P. 23

Kavernome (auftretend in etwa 0,5% der Bevöl- kerung) sind erworbene Gefäßfehlbildungen, die häufig im Bereich des Gehirns auftreten. Man spricht dann von zerebralen Kavernomen. Die Lä- sionen haben eine maulbeerartige Struktur und erreichen Größen von wenigen Millimetern bis hin zu einigen Zentimetern.
Da die beteiligten Blutgefäße Fehlfunktionen aufwei- sen, kommt es innerhalb der Kavernome immer wieder zu kleineren und selten auch größeren Blutungen. Diese können zu Irritationen und gegebenenfalls Schädigun- gen des umliegenden Hirngewebes führen. Die entspre- chenden Symptome hängen jeweils von der Lage der Läsion innerhalb des ZNS ab, typisch sind Krampfanfälle oder neurologische Fehlfunktionen (Lähmungen, Ge- fühlsstörungen, Sprachstörungen).
Kavernome treten „sporadisch“ oder „familiär“ auf. Sporadische Kavernome sind meist einzelne Läsionen (in manchen Fällen begleitet von einer sogenannten venösen Fehlbildung (DVA)). Die Patienten haben kein erhöhtes Risiko, weitere Läsionen auszubilden. Die Ursa- che der Entstehung ist noch nicht abschließend geklärt. Familiäre Kavernome beruhen auf einer vererbten Keim- bahn-Mutation. Solche Patienten neigen, je nach Ausprä- gung der Mutation, dazu, lebenslang neue Kavernome zu entwickeln. Man spricht auch von einer Kavernomatose.
Operationsindikationen
Grundsätzlich gilt, dass Kavernome normalerweise einen „gutmütigen“ Verlauf haben. Das heißt, sie verursachen über Jahre oder Jahrzehnte keine oder nur minimale Symptome. Eine operative Entfernung ist nicht indiziert und die Patienten werden nur „beobachtet“. Dies gilt vor allem für Kavernome, die zufällig im Rahmen von MRT- Untersuchungen entdeckt werden. Eine operative Ent- fernung der Kavernome muss nur in wenigen Fällen er- wogen werden. Aufgrund der Seltenheit und Komplexität der Erkrankung ist die vorliegende medizinische Evidenz darüber hinaus eher niedrig und eine Behandlung muss letztlich zumeist von Fall zu Fall entschieden werden.
Welche Faktoren sind bei einer OP-Indikations- stellung zu berücksichtigen?
Große, akute symptomatische Blutungen mit Massenef- fekt und erheblicher neurologischer Beeinträchtigung des Patienten tragen das Risiko einer sekundären Schä- digung des umliegenden Gehirns und sind absolute Operationsindikationen. Solche „Notfälle“ kommen bei Kavernomen jedoch äußerst selten vor.
PD Dr. med. P. Dammann
Zumeist treten die Kavernome durch mildere Symptome (vorübergehende neurologische Symptome, Krampfan- fälle, Kopfschmerzen) in Erscheinung, häufig hervorgeru- fen durch eine „Einblutung“. Man spricht dann von einer symptomatischen Blutung, die z.B. im MRT sichtbar ist (Abb. 1).
Was ist bei einer symptomatischen Blutung zu tun?
Hier ist die Lokalisation des Kavernoms ein entscheiden- der Faktor. Ein typisches Beispiel ist das Kavernom im Bereich des Großhirns. Ruft das Kavernom nachweislich (epileptologische Abklärung!) wiederholt Krampfanfälle (Kavernom-assoziierte Epilepsie) hervor und lassen sich diese nicht ausreichend medikamentös behandeln, soll- te das Kavernom entfernt werden.
Auch bei einem erstmaligen Krampfanfall ist im Einzel- fall eine direkte Entfernung des Kavernoms zu überle- gen. Argumente hierfür sind eine gute Zugänglichkeit des Kavernoms, die gewollte Vermeidung langjähriger Medikamenteneinnahme, die Vermeidung weiterer Blu- tungen, das Vorliegen eines sporadischen Kavernoms, junges Patientenalter.
Ruft das Kavernom im Bereich des Groß- hirns keine Krampfanfälle hervor, sondern äußert sich durch andere Symptome, hängt eine mögliche Operationsindikation davon ab, wie „aktiv“ das Kavernom ist.
Juni 2017
  Zerebrale Kavernome - Operationsindikationen und Operationsrisiken
 Abb. 1: 12jährige Patientin mit akuter “Einblutung“ (helle Stellen um das Kavernom herum im MRT-Bild) und verschiedenen neuro- logischen Ausfällen
  23


















































































   21   22   23   24   25