Page 19 - Das Magazin 2017
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Juni 2017
  sifikation beschrieben werden. 2008 veröffentlichten französische Ärzte ihre Entdeckung, dass das altbekann- te Medikament Propranolol, ein Beta-Blocker aus der Herztherapie, sehr gut bei den klassischen Hämangio- men zu einem Wachstumsstop und Einleitung einer frü- heren Rückbildung führt.
Seitdem hat sich die Behandlung von großen oder an sehr ungünstigen Stellen sitzenden Hämangiomen drastisch verändert. Es wird wesentlich weniger operativ reseziert.
Früher notwendige Lasertherapien haben massiv abge- nommen, weil immer weniger nötig. Cortisongaben sind kaum noch erforderlich. Umso intensiver wird über die richtige Dosierung, die notwendige Länge der Behand- lung und mögliche kurz- und langfristige Nebenwirkun- gen diskutiert und die Behandlungsschemata verfeinert.
3. Lymphatische Malformationen (LM)
Kommt es zu angeborenen Fehlbildungen des Lymph- gefäßsystems mit Ausbildung von unterschiedlich gro- ßen Zysten, so sprechen wir von einer Lymphatischen Malformation (LM), früher meist Lymphangiom genannt. Diese können an verschiedenen Körperstellen vorkom- men und unterschiedliche Probleme verursachen. Im Kopf- und Halsbereich stehen sichtbare Schwellungen, Störungen des Atemweges und des Schluckaktes im Vordergrund. Operative Resektionen, Behandlungen mit verödenden Medikamenten (Sklerosierungstherapie), Laseranwendungen und systemisch wirksame Medika- mente wie Sirolimus stehen zur Verfügung. Die Wahl der besten Methode und des richtigen Zeitpunktes muss zwischen den beteiligten Fachrichtungen ständig abge- stimmt und verfeinert werden. Dass verschiedene Mei- nungen existieren, wurde besonders in der Diskussion von Fallvorstellungen deutlich. Hier ist noch viel Arbeit nötig, um zu gemeinsamen Leitlinien zu kommen. Frau Dr. Teresa O vom Vascular Birthmark Institute New York stellte ihre Operationstechnik vor zur Wiederbelebung der Gesichtsmotorik nach Schädigungen des für die Mi- mik zuständigen Facialisnervs. Gerade bei der Behand- lung der LM kommt es immer wieder zu Verletzungen wichtiger Facialisäste mit nachfolgenden Lähmungen.
4. Naevus flammeus (Feuermal)
Ursache des Feuermals (Abb. 1) ist eine angeborene per- manente Weitstellung von kleinsten Blutgefäßen (Ka- pillaren) in der betroffenen Haut. Durch wiederholte La- sertherapie, meist mit dem Farbstofflaser, können diese Areale aufgehellt, aber nicht immer völlig geheilt werden. Eine Untergruppe dieser betroffenen Patienten entwi- ckelt nach einigen Jahren eine Gewebsvermehrung (Hy-
pertrophie) vor allem der Ober- oder Unterlippe oder auch größerer Anteile des Gesichts. Plastisch-chirurgische Maß- nahmen bringen hier Besserung. Durch weiteres Wachs- tum sind häufig nach mehreren Jahren erneute Ope- rationen nötig. Wer davon betroffen sein wird und was die Ursache der einsetzenden Hypertrophie ist, ist nicht bekannt. Hier steht die Forschung noch am Anfang. In ei- nem Videofilm stellte unsere Klinik Operationstechniken zur Volumenreduktion bei Hypertrophie der Lippen vor.
5. Klippel-Trénaunay-Syndrom
In der ISSVA-Klassifikation wird aufgelistet: „CM + VM +/- LM + Überwachstum einer Extremität“ (Abb. 2). Die betroffenen Patienten haben also eine Kapilläre (engl. capillary) Malformation (CM) meist in Form eines Feuer- mals, eine Venöse (engl. venous) Malformation (VM) und/ oder auch nicht eine Lymphatische (engl. lymphatic) Malformation (LM) sowie ein Überwachstum einer Ext- remität. So muss man diese Abkürzungen lesen. In die- ser Gruppe gibt es viele individuelle Unterschiede. Die kontroverse Frage lautete: Ist eine aggressive Therapie nötig oder sollte man möglichst konservativ behandeln? Zusammenfassend kann man festhalten, dass bei Auf- treten von Symptomen wie zum Beispiel Thrombosen in einer VM aktiv behandelt werden sollte mit dem Ziel, die Lebensqualität zu verbessern. Vorbeugende und über- aggressive Behandlungen sollten vermieden werden.
  Abb. 1: Naevus flammeus (Feuermal)
    Abb. 2: CM + VM +/- LM + Überwachstum einer Extremität
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