Page 47 - Das Magazin 2015
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 Möglichkeiten der Kompressionsversorgung
Ich bin jetzt 34, zweifacher Familienvater, arbei- te als Orthopädietechniker in einem Sanitätshaus und habe eine venöse Gefäßmalformation (KTS) am linken Bein mit begleitender Beinlängendiffe- renz + 1 cm.
Beruflich arbeite ich gut mit Ärzten zusammen und habe Dank Prof. Wohlgemuth auch privat das Vertrauen wie- der zu Ärzten gefunden, aber das war nicht immer so: Durch viele Umzüge in meiner Kindheit suchten meine Eltern mit mir immer neue Ärzte auf, die mal meine Er- krankung kannten und mal nicht, aber immerhin stellten alle meine Beinlängendifferenz von + 1 cm fest.
Die einzige Therapieempfehlung war schon früh die Kompression, gegen die ich mich aus Scham bis zu mei- nem 20. Lebensjahr wehrte . Durch meine Arbeit und die Möglichkeiten heutiger Versorgungen fasste ich Mut und wendete mich an die Bonner Universität. Dort wurde ich leider wieder enttäuscht. Ich gehörte zu den wenigen jungen Patienten in der Phlebologie und bin im Nachhin- ein froh, dass die zahlreichen therapeutischen Versuche zur Prophylaxe mittels Schaumsklerosierung bisher nur kleine Schäden angerichtet haben. Geholfen hat es aber auch nicht...
Felix Baeßler
2011 wendete sich das Blatt und ich traf über den Bun- desverband Angeborene Gefäßfehlbildungen e.V. auf Prof. Wohlgemuth. Von ihm bekam ich erstmals eine ge- naue Diagnose und Verlaufsprognose.
Mit mir ist mein Klippel-Trenaunay-Syndrom (KTS) auch älter geworden, und nun brauche ich die Kompressions- versorgung. Ohne sie kann ich schmerzfrei nicht lange stehen und sitzen. Ansonsten bin ich aber schmerzfrei. 2013 hatte ich das erste Ulcus am Innenknöchel, wel- ches nach zehn Wochen endlich wieder verschlossen war und mich seit dem regelmäßig ärgert.
Schweren Herzens gehe ich deshalb seit Mai nicht mehr Schwimmen (was mir vor allem für meine Kinder sehr leid tut) und trage keine engen Schuhe mehr.
Aber all diese kleinen Rückschläge und die nicht ganz ro- sige Zukunft lassen mich dennoch froh nach vorn schau- en. Dabei hilft mir auch der Erfahrungsaustausch auf den alle zwei Jahre stattfindenden Patiententreffen vom Bundesverband Angeborene Gefäßfehlbildungen e.V.. Im Vergleich zu anderen habe ich eine leichte Form des KTS und eine Familie, die meine wichtigste Stütze und wichtigster Lebensinhalt ist. Das KTS gehört zwar auch dazu, aber mehr auch nicht.
Dezember 2015
        CEin großes Problem bei der Kompres- sionstherapie ist der noch immer schlechte Ruf, der ihr anhaftet. Aber inzwischen kennt die Farbpalette kei- ne Grenzen mehr. Zahlreiche Herstel- ler überzeugen mit kreativen Ideen. Man sieht es den modernen Kompressionsvarianten nicht mehr an, dass sie therapeutisch wirken. Außerdem sind die Gewebe heutzutage angenehm zu tragen.
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Fotos: © Claudia Köster






















































































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