Page 43 - Das Magazin 2015
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 Dezember 2015
  handelt, ich war im Lippstädter Krankenhaus oder in der Marburger Kinderklinik. Dort konnte man zwar auf Ver- dacht sagen: „Es könnte sich um eine spezielle Krankheit der Venen handeln“, aber so richtig schlau wurde man daraus nicht. Vielen Betroffenen geht oder ging es be- stimmt ebenso oder so ähnlich.
Besonders unangenehm habe eine Phlebographie mit 15 Jahren in Erinnerung oder auch die allererste Be- handlung zur Verödung mit circa 17 Jahren. Durch die Tatsache, dass mein rechtes Bein zudem von Geburt an länger war als das linke, war ich 2002 auch noch in fachärztlicher Behandlung in Bochum. Dort wurden im rechten, gesunden Bein kleine Klammern in die Wachs- tumsfugen gesetzt, sodass der Längenunterschied aus- geglichen werden konnte. Die Operation an sich verlief reibungslos. Allerdings hatte ich noch einige Wochen nach der OP starke Schmerzen und konnte das Bein mit den Klammern kaum beugen, sodass ich Krankengym- nastik bekam.
Wenn man sich diese Dinge vor Augen hält, wird deutlich, wieviel Kraft man als Patient und Angehöriger aufbringen muss, um da- mit klarzukommen.
Ich selbst habe heutzutage das gute Gefühl, dass ich die- se ganzen Dinge irgendwie gut überstanden oder auch „verpackt“ und geordnet habe. Trotzdem scheint es mir durchaus sehr sinnvoll, auch auf das Wohlbefinden des Patienten - gerade bei kleinen Kindern - zu schauen und auch dort bei Unsicherheiten den Rat eines Arztes aufzu- suchen, um den Patienten auch vor eventuellen psycho- logischen Folgen zu schützen.
„Ängste, Angst vor weiteren Schmerzen...“
Oft scheuen Betroffene meiner Ansicht nach den Besuch beim Arzt aus Angst davor, erneut Ängsten, Stress oder Operationen und deren Folgen „hilflos ausgeliefert“ zu sein. Ich kenne das von mir persönlich. Die Behandlun- gen bei Frau Dr. Faerber zur Verödung beispielsweise sind zwar sehr wirksam und ich bin anschließend ohne Beschwerden - für mich waren die Besuche dort lange Zeit trotzdem der reinste Albtraum. Dass beispielsweise am Bein etwas weh tut und etwas nicht stimmt, war mir natürlich bewusst, aber die Angst, es könnte erneut weh tun, ließ sich kaum bändigen. Glücklicherweise habe ich heutzutage weniger Bedenken, dorthin zu gehen.
Irgendwie ist es mir mit der Zeit gelungen, mir selbst den Schrecken zu nehmen und die Reisen in die Klinik stattdessen mit po- sitiven Dingen zu besetzen.
Natürlich sind Eingriffe und Operationen nach wie vor unangenehm, aber in der Regel sind sie ja auch erfolg-
versprechend. Ich kann jeden verstehen, der Bedenken hat oder unsicher ist, wenn er zum Arzt soll.
Abschließend möchte ich sagen, dass es total wichtig ist, andere Aspekte wie Freizeit, Familie, Freunde und Hob- bies nicht außer Acht zu lassen. Ich weiß selber, dass das ganz oft schwierig ist. Man kommt sich auch teilweise eingeschränkt vor mit seiner „Leidensgeschichte“ oder fühlt sich in vielen Dingen „außen vor“. Aber man kann versuchen, anders mit der Krankheit umzugehen.
Es ist total klar, dass man sich um diese Krankheit küm- mern muss, sich mit bestimmten Dingen abfinden muss und Termine beim Arzt einhalten sollte. Ich glaube mitt- lerweile, dass es einem aber gelingen kann, mit der Krankheit so umzugehen, dass man sagen kann: Ja, ich habe eine angeborene Gefäßkrankheit. Aber das ist nur ein TEIL von mir. Wie stark die Krankheit ist, liegt eventu- ell oft auch daran, wie viel Raum wir ihr geben.
Bei mir ist das mal so mal so: Gerade jetzt, durch die eingangs erwähnte Thrombose, mache ich mir viele Ge- danken, renne alle paar Tage zum Arzt, und hinter jedem Symptom vermute ich neue Beschwerden, Krankheiten und so weiter. Es dauert meist eine ganze Zeit, bis ich mich selbst oder meine Familie oder Freunde mich be- ruhigen können. Dann ist es allerdings auch schnell so, dass ich wieder unbeschwert bin und mir keine Gedan- ken mehr mache. Es geht also darum, sich nicht verrückt machen zu lassen, sondern sich durch andere wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen zu lassen. Manch- mal ist vielleicht auch einfach alles gut!!!
    Ich hoffe, Sie (Ihr) konnten (konntet) mit meinen Eindrü- cken etwas anfangen. Niemand ist wirklich allein.
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     Zuletzt ein paar Dinge, die mir helfen, mit meiner Krankheit umzugehen:
J Ich rede mittlerweile offen über alle Facetten mei- ner Krankheit - das befreit!
J Sich der eigenen Geschichte bewusst werden - das kann helfen, die Gedanken zu ordnen!
JFreunde und Familie einbeziehen, Unsicherheiten ansprechen und Hilfe suchen - für ein gutes Gefühl!
J Arzttermine wahrnehmen, sich untersuchen lassen, und in Behandlung sein - auf sich aufpassen!
J Wenn Operationen und Eingriffe vorbei sind, sich auch anderen Dingen des Lebens widmen!
J Eigene Erfahrungen weitergeben und sich mit ande- ren austauschen!
   Foto: © Kathrin Sachse












































































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