Page 42 - Das Magazin 2015
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 Dezember 2015
  Mittlerweile rede ich offen
Ich heiße Lukas Becker, bin vor kurzem 25 Jahre alt geworden und wohne in Brilon im Hochsauerland- kreis. Bereits seit 2013 arbeite ich in Vollzeit als Erzieher in einer familienähnlichen Wohngruppe der Jugendhilfe in Lippstadt. Die Arbeit macht viel Spaß, und ich bin in der Regel auch trotz meines Krankheitsbildes (Klippel-Trenauney-Weber-Syn- drom) nicht sonderlich eingeschränkt.
In fachärztlicher Behandlung befand ich mich zuletzt Mitte 2012 bei Frau Doktor Faerber in Hamburg, im Zent- rum für Gefäßmedizin zur Verödung von Varizen.
Im Oktober diesen Jahres bin ich an die Nordsee gefah- ren und dort während eines Spaziergangs umgeknickt, sodass mein linker Fuß anschwoll und ich ihn laut ärzt- lichem Rat einige Tage hochgelagert habe. Ich vermute, dass durch diese Schonhaltung die Thrombose entstan- den ist. Obwohl ich eher Schmerzen an der Innenseite des Oberschenkels hatte, stellte der Kardiologe eine tie- fe Beinvenenthrombose um Bereich des inneren Unter- schenkels fest. Ich bekam Herparin und Marcumar ver- schrieben und nehme es nun täglich ein.
Mein Problem ist, dass ich bei solchen Dingen sehr unsi- cher bin und mir viele Gedanken mache. Die Thrombose ließ sich praktisch hier vor Ort in Brilon behandeln, ich rief aber zeitgleich bei Professor Loose an, um dort einen Termin zu bekommen, weil ich mir einfach nicht sicher war, wie ich mich weiterhin verhalten sollte. Durch eine Krankheit war ich am Wochenende ans Bett gebunden, seitdem schmerzte das Bein wieder vermehrt, obwohl in der Regel alles dagegen sprach, da ich durch das Marcu- mar sehr gut abgesichert war. Hinzu kam, dass man beim Kardiologen auch nicht sofort einen Termin bekommt, was bei einer Thrombose eher wenig förderlich ist.
Lukas Becker
Worum es mir prinzipiell geht:
Die einleitenden Worte rund um die Thrombose können als stellvertretendes Beispiel für jegliche andere Situati- on gesehen werden. Ich kann in der Regel nur für mich selber sprechen, aber ich gehe davon aus, dass es - un- abhängig, ob es sich um Thrombosen oder andere Dinge handelt - oft einfach zunächst schwer ist, sich mit die- sem komplexen Thema auseinanderzusetzen oder auch, sein „Schicksal anzunehmen“.
Ich möchte anhand meines Beispiels ver- deutliche, welche Schwierigkeiten es geben kann, aber auch, welche Handlungsalter- nativen oder positive Seiten.
Mir war zwar generell schon lange bewusst, dass das Thema „angeborene Gefäßkrankheiten“ ein nie enden- des ist und immer wieder neue Facetten im Lebenslauf vorkommen werden. Doch gerade jetzt habe ich das Ge- fühl, mich damit mehr oder weniger gezielt auseinander setzen zu wollen. Gott sei Dank gibt es einige Ärzte, die sich speziell mit diesem Thema beschäftigt haben und mir somit gut weiterhelfen können.
Ich glaube, dass es für Angehörige und Be- troffene oftmals sehr schwer ist, überhaupt spezialisierte Ärzte zu finden und sich dann auch noch gut aufeghoben zu fühlen.
Ich erinnere mich nicht an alle Ärzte und Krankenhäuser, in denen ich war. Bis meine Eltern Dr. Loose in Hamburg ausfindig gemacht hatten, wurde ich vom Hausarzt be-
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Ich habe vielleicht nicht alles, was ich mir wünsche. Aber ich liebe alles, was ich habe und
bin dankbar für diesen Reichtum.
Danke an meine Familie und all meine Freunde. (unbekannt)


















































































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