Page 22 - Das Magazin 2015
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 Dezember 2015
  Sind meine kavernösen Gefäßfehlbildungen erblich?
Ablauf humangenetischer Untersuchungen am Beispiel familiärer Kavernome
Eine weitere oft gestellte Frage lautet beispiels- weise: „Bei meinem Bruder und seiner Tochter wurde eine Mutation im CCM1-Gen festgestellt. Ich bin gesund, möchte aber gerne wissen, ob ich auch Trägerin dieser Mutation bin. Wie kann ich mich testen lassen?“
Die Titelfrage „Sind meine kavernösen Gefäßfehlbildun- gen erblich?“ stellen Patienten, die bereits betroffen sind, oder Eltern von betroffenen Kindern (Abbildung 1). Hierbei handelt es sich um die Abklärung einer bereits bestehenden Erkrankung bzw. eine diagnostische hu- mangenetische Untersuchung. Diese kann grundsätzlich von jedem Arzt veranlasst werden. Die Analyse der ent- nommenen Blutprobe wird in speziellen humangeneti- schen Einrichtungen durchgeführt. Die entsprechenden Auftragsformulare mit begleitenden Informationen und den notwendigen Einverständniserklärungen können von der Internetseite dieser Einrichtungen herunterge- laden werden.
Die zweite Frage stellt ein gesundes Familienmitglied, welches ein 50%iges Risiko hat, ebenfalls die in der Fa- milie bekannte krankheitsverursachenden Veränderung (= Mutation) zu tragen. Hierbei handelt es sich um eine vorhersagende (= prädiktive) genetische Untersuchung auf eine mögliche zukünftige Erkrankung. Diese darf laut Gendiagnostikgesetz nur nach genetischer Beratung durch einen Facharzt für Humangenetik oder einen Arzt
Dr. med. M. Rath & Prof. Dr. med. U. Felbor
mit der Qualifikation zur fachgebundenen genetischen Beratung veranlasst werden.
Zerebrale kavernöse Malformationen (ce- rebral cavernous malformations = CCM), auch kavernöse Angiome oder Kavernome genannt, können familiär auftreten und folgen dann einem autosomal-dominan- ten Erbgang.
Das bedeutet, dass Verwandte 1. Grades (Eltern, Ge- schwister, Kinder) ein 50%iges Risiko haben, ebenfalls Träger einer zuvor in der Familie identifizierten Mutation zu sein. Hauptmerkmal der familiären bzw. erblichen Ka- vernomatose sind eine positive Familienanamnese und/ oder das Vorkommen mehrerer Kavernome bei einer be- troffenen Person (Tabelle 1).
Im Rahmen einer diagnostischen molekulargeneti- schen Untersuchung wird zunächst bei einem betroffe- nen Familienangehörigen eine Blutprobe entnommen und nach einer Mutation in den CCM1-, CCM2- oder CCM3-Genen gesucht. Wird bei einem Betroffenen eine Mutation gefunden, kann anschließend Risikopersonen in der Familie eine eindeutige prädiktive Diagnostik an- geboten werden. Der Ausschluss einer familienspezifi- schen Mutation senkt das Erkrankungsrisiko auf das der
  Abb. 1:
Stammbaum einer Familie mit Ver- dacht auf erbliche Kavernome.
Bei dem Vater (II,2; schwarzer Pfeil) und seiner minderjährigen Tochter (III,1) wur- den neuroradiologisch mehrere Kaver- nome nachgewiesen. Im diagnostischen Ablauf muss der Nachweis einer Mutation zuerst bei einem Betroffenen erfolgen. Erst im zweiten Schritt kann die Analyse ge- sunder Risikopersonen in der Familie nach humangenetischer Beratung durchgeführt werden.
Quadrate = männliche Familienmitglieder, Kreise = weibliche Familienmitglieder, schwarz gefüllte Symbole = klinisch und/ oder neuroradiologisch betroffen,
? = Risikoträger mit formal-genetisch 50%igem Risiko, Mutationsträger einer in der Familie bekannten Mutation zu sein
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