Page 21 - Das Magazin 2015
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 Dezember 2015
  kleineren Kavernomen, die durch eine Blutung Sympto- me verursachen, kann eine Entfernung in Betracht gezo- gen werden, um zukünftige Blutungsereignisse zu ver- hindern. Prinzipiell ist aber auch zunächst eine weitere abwartende Haltung möglich. Das hängt unter anderem von den entsprechend entstandenen Symptomen sowie der Bereitschaft des Patienten ab, eine erneute Blutung „in Kauf zu nehmen“.
Da wahrscheinlich das Risiko weiterer Blutungen bei jedem Blutungsereignis ansteigt, raten wir unseren Patienten bei einer Zweitlutung (*) meist zu einer Entfer- nung der Fehlbildung.
* (also bildmorphologisch nachgewiesene Blutung und erneute Symptome oder Symptomverschlechterung)
Eine allgemeingültige Behandlungsmaxime existiert bei Kavernomen jedoch nicht. Die Entscheidung zu einer operativen Behandlung ist im Grunde immer eine indi- viduelle Abwägung der Risiken des natürlichen Krank- heitsverlaufs mit den Risiken der operativen Entfernung. Hier ist insbesondere die Lokalisation des Kavernoms entscheidend, und zwar sowohl für den Krankheits- verlauf als auch die Operationsrisiken. Vor allem die in wichtigen zentralnervösen Zentren (Sprachzentrum, Mo- torisches Zentrum, Hirnstamm) gelegenen Kavernome stellen eine große Herausforderung in der Behandlung dar. Darüber hinaus spielen natürlich auch Alter und Be- gleiterkrankungen der Patienten sowie das Vorliegen ei- ner familiären Form der Erkrankung eine entscheidende Rolle.
Für Patienten mit einer durch Kavernome hervorgeru- fene Epilepsie gibt es inzwischen klare Empfehlungen der International League Against Epilepsy (ILAE). Bei einem einmaligen Krampfanfall steht die konservative Therapie mit antikonvulsiven Medikamenten im Vorder- grund. Ausnahmen bestehen hier bei Kavernomen die zusätzlich weitere Symptome verursachen (siehe oben) oder bei Ablehnung einer dauerhaften medikamentösen Therapie durch den Patienten. Dann kann die Entfer- nung des Kavernoms zur Beseitigung der Epilepsie und Beendigung der medikamentösen Dauertherapie mit sehr guten Erfolgsaussichten durchgeführt werden. Bei Patienten deren Epilepsie nicht durch Medikamente zu kontrollieren ist, sollte immer eine sogenannte prächir- urgische epileptologische Abklärung zur Evaluation ei- ner möglichen operativen Behandlung erfolgen.
Die operative Behandlung von Kavernomen
Das Ziel der operativen Behandlung ist die vollständi- ge Entfernung der Fehlbildung, um die entstandene in-
tracerebrale Raumforderung zu beseitigen und weitere zukünftige Blutungsereignisse zu verhindern. Heutzuta- ge wird die Operation standardmäßig mikrochirurgisch, also unter dem Mikroskop und mit feinsten Mikro-Inst- rumenten durchgeführt. Dabei wird das Kavernom vor- sichtig vom umliegenden Hirngewebe frei präpariert und schließlich entfernt. Bei leicht zugänglichen Kaverno- men handelt es sich dabei um einen Routine-Eingriff mit gut kalkulierbarem geringem operativen Risiko, der von vielen erfahrenen Neurochirurgen durchgeführt werden kann. Bei schwieriger Lage der Kavernome und zwar insbesondere im Bereich des Hirnstamms, des Rücken- marks oder in besonders tiefen bzw. wichtigen Hirnare- alen sollte der Eingriff jedoch in einem Zentrum mit viel Erfahrung auf diesem Gebiet erfolgen, um die Patienten entsprechend gut beraten und behandeln zu können.
Die Entfernung eines „unkomplizierten“ Kavernoms ist mit anderen Standard Eingriffen in der Neurochirurgie zu vergleichen. Die Patienten erholen sich meist zügig und vollständig. Die Entfernung eines Kavernoms in den be- sonders empfindlichen Bereichen (z.B. Hirnstamm oder Rückenmark) ist belastender. Einige Patienten brauchen nach dem Eingriff daher zunächst eine gewisse Zeit der Rehabilitation. Auf längere Sicht erholen sich die meis- ten Patienten jedoch ebenfalls komplett.
Fazit
Ein Kavernom ist eine seltene Gefäßfehlbildung, die häufig keine Symptome verursacht, unter be- stimmten Umständen aber operativ behandelt werden muss. Kavernome treten entweder spo- radisch oder in Form einer familiären Erkrankung auf. Bei der Verdachtsdiagnose „Kavernom“ sollte deshalb ein Spezialist konsultiert werden.
    Informationsportal für cerebrale Cavernome
 Weiterführende Informationen, Kontakte zu Betroffenen, Forum usw.
 In Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Angeborene Gefäßfehlbildungen e.V.
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