Page 20 - Das Magazin 2015
P. 20

 Dezember 2015
  gen, Schwindel oder Kopfschmerzen, je nach Lokalisa- tion und Größe der Blutung.
Diese Ereignisse treten eher selten auf und können nur schwierig prognostiziert werden. Schätzungen über das jährliche Blutungsrisiko liegen zwischen 1% und 5% je nach Lokalisation.
Nachgewiesen ist jedoch ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Zweitblutung nach einem erstmaligen Ereignis.
Vorsichtige Schätzungen gehen von einem Nachblu- tungsrisiko von etwa 30% über einen Zeitraum von 2 Jahren aus, wobei das Risiko bei Kavernomen im Bereich des Hirnstamms höher zu liegen scheint. Fulminat ver- laufende schwere Blutungen durch die ggf. auch eine vi- tale Bedrohung bestehen könnte sind glücklicherweise extrem selten.
3) Bedingt durch die Ansammlung von Blutablage- rungsprodukten in angrenzenden Hirnrindenbereichen können Kavernome eine Epilepsie hervorrufen. Dies ist besonders häufig bei Kavernomen die im Bereich des Schläfenlappens lokalisiert.
Diagnostik
Bei Auftreten bestimmter hinweisender Symptome oder im Rahmen der Abklärung anderer Erkrankungen können Kavernome mittels Kernspintomographie (MRT) hervor- ragend dargestellt werden. Typischerweise zeigen sie in der T2 gewichteten Sequenz ein „popcornartiges“ Er- scheinungsbild und sind meist eindeutig zu diagnosti- zieren (Abbildung 3).
Gleichzeitig kann in der MRT die Größe sowie die Lokali- sation im Bereich des Gehirns bestimmt werden. Andere mit Kavernomen vergesellschaftete Gefäßfehlbildungen (vor allem sog. angeborene venöse Anomalien (DVA)) werden so ebenfalls erkannt.
Letzteres ist insbesondere bei einer geplanten operati- ven Behandlung wichtig. In Fällen von sehr kleinen Ka- vernomen kann eine sog. T2* oder SWI Sequenz beim
Aufspüren der Fehlbildung hilfreich sein. Je nach Loka- lisation sind bei einer geplanten operativen Entfernung weitere MRT Untersuchungen wichtig. Zum Beispiel Funktions-MRTs zur Darstellung von Sprach- und Bewe- gungszentren oder ein sog. Fibre-Tracking MRT zur Dar- stellung von Nervenfasersträngen. Bei Kavernomen die durch einen Krampfanfall bzw. eine Epilepsie auffallen, sollte vor allem mittels Elektroenzephalographie (EEG) nachgewiesen werden, dass das Kavernom tatsächlich Ursache der Epilepsie ist.
Ein Kavernom ist diagnostiziert – was tun?
Wie bereits erwähnt werden Kavernome häufig zufällig diagnostiziert und zeigen keine Symptome. Im Allge- meinen ist dann keine Behandlung notwendig. Trotzdem sollte eine Vorstellung bei einem Spezialisten (in den meisten Fällen ein Neurochirurg) erfolgen, um den Be- fund einzuordnen.
In manchen Fällen, zum Beispiel bei einer Lage nahe des Hirnkammersystems, im Hirnstamm oder bei großen Ka- vernomen, kann trotz fehlender Symptome eine Behand- lung notwendig sein. Ebenso sollten Hinweise auf eine familiäre Erkrankung (mehrere Kavernome, erkrankte An- gehörige) humangenetisch abgeklärt werden.
Falls kein weiterer Handlungsbedarf be- steht, sollten zumindest initial im jährli- chen Abstand oder bei auftretenden Beson- derheiten MRT Verlaufskontrollen erfolgen.
Besondere weitere Verhaltensmaßregeln sind im Übri- gen normalerweise nicht zu beachten. Das Vermeiden von plasmatische Blutgerinnungshemmern (z.B. Marcu- mar) oder Plättchenaggregationshemmer (z.B. ASS) wird immer wieder diskutiert. Es gibt aber auch Hinweise bei anderen Hirngefässerkrankungen, dass gerade die Ein- nahme von ASS günstig sein könnte, sodass hierzu noch keine endgültige Empfehlung ausgesprochen werden kann.
Ähnliches gilt für Risiken bei besondere Sportarten oder Flugreisen. Das Führen eines KFZ ist beim Vorleigen ei- ner symptomatischen Epilepsie allerdings nicht möglich. Besondere Situationen sollten mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Ein Kavernom verursacht Symptome – was tun?
Symptomatische Kavernome müssen immer durch ei- nen Spezialisten abgeklärt werden. Ein raumforderndes symptomatisches Kavernom sollte im Normalfall durch einen neurochirurgischen Eingriff entfernt werden. Bei
   Abbildung 3: Kernspintomographie eines Kavernoms (Pfeile) im Bereichdes linken Schläfenlappens mit kleineren „Mikroblutun- gen“. Man erkennt die „popcorn-artige“ Struktur der Fehlbildung. Der dunkle umgebenede Ring in (a) und (b) ist ein Zeichen für abgelaufenen ältere Blutungen um die Fehlbildung herum.
20














































































   18   19   20   21   22