Page 16 - Das Magazin 2015
P. 16

 Dezember 2015
  Schmerzen und Gefäßanomalien - Medizinische Grundla- gen und Therapie aus der Sicht der Betroffenen
Prof. Dr. Dr. W. Wohlgemuth, Dr. med. C. Rauscher
Schmerzen spielen bei allen akuten und chroni- schen Erkrankungen eine vielfältige Rolle. Sie sind es, die den Patienten häufig erst zum Arzt führen und damit eine Diagnose und Therapie überhaupt einleiten. Gleichzeitig sind sie der entscheidende Faktor für den Leidensdruck der Patienten.
In dieser Übersicht soll ein Überblick gegeben werden über die verschiedenen Arten des Schmerzes und des- sen Bewältigung bei Patienten, die eine Gefäßanomalie aufweisen. Dabei werden hier auch die Ergebnisse eines Patienten-Workshops am 7.9.2014 anlässlich des Tref- fens der Bundesverbandes Angeborene Gefäßfehlbil- dungen e.V. in Oberwesel dargestellt werden.
Der Schmerz als positives Phänomen
Schmerz ist eigentlich ein grundsätzlicher Schutzmecha- nismus des Körpers. Er macht aufmerksam auf eine po- tenzielle Schädigung (z.B. eine Verletzung) und hilft, die Heilung zu verbessern, z.B. durch Schonung. Bei Patien- ten, bei denen aus verschiedenen Gründen die Nerven- fasern des schmerzübertragenden Systems vollständig geschädigt sind, die also keinen Schmerz z.B. an einer Hand oder einem Bein verspüren, kommt es schnell zu auch schweren Verletzungen, z.B. Verbrennungen. Die Patienten überbeanspruchen ihre schmerzlosen Extre- mitäten, auch dies führt zu Schädigungen. Hieran lässt sich ganz praktisch ablesen, wie wichtig die Schmerz- schutzfunktion ist.
Eine weitere positive Funktion des Schmer- zes besteht einfach darin, dass er meistens das erste und wichtigste Krankheitssysmp- tom ist und viele Patienten überhaupt erst dazu bringt, eine entsprechende Diagnos- tik und Behandlung aufzusuchen.
Völlig schmerzlose Erkrankungen, wie z.B. das Initial- stadium der arteriellen Hypertonie, sind zu mindestens anfänglich völlig schmerzfrei. Hier ist die Compliance, also die Einsicht in die Einnahme z.B. von Medikamen- ten zur Vermeidung künftiger Symptome, nur schwer zu erreichen. Dies obwohl die Spätfolgen gravierend sein können.
Medizinische Grundlagen und Therapie
Patienten mit venösen Malformationen, also anlagebe- dingten Störungen der venösen Gefäße, leiden häufig parallel an verschiedenen Schmerztypen. Ein häufiger Schmerztyp hat seine Ursache in umschriebenen, wie- derkehrenden Venenentzündungen, die auf einer loka- len Gerinnselbildung („Thrombophlebitis“) innerhalb der venösen Malformation basieren. Das Blut fließt hier nur sehr langsam und „stockt“, gerinnt also. Der Körper baut diese Gerinnsel wieder ab, es bildet sich dabei eine umschriebene entzündliche Verhärtung. Diese ist dann auch druckschmerzhaft tastbar. Wenn sie an der Ober- fläche liegt ist sie durch eine leichte Rötung sichtbar. Typischerweise dauert dieser Schmerz einige Stunden bis Tage, er tritt meistens in der zweiten Nachthälfte und morgens auf und bessert sich durch Bewegung etwas. Als Therapie hilft hier gut eine lokale Hochlagerung der betroffenen Stelle, dazu Kompression und Auftragen von Voltaren-Salbe. Bei starken Schmerzen ist auch, nach Rücksprache mit einem Arzt, eine vorübergehende Ge- rinnungsmedikation (z.B. Heparin) sinnvoll.
Ein weiterer typischer Schmerz bei Patienten mit venö- sen Malformationen, insbesondere an den Beinen und Füßen, ergibt sich aus dem erhöhten Venendruck inner- halb der betroffenen Extremität. Durch den erhöhten hydrostatischen Druck im Stehen bei meistens insuf- fizienten Venenklappen kommt es hier insbesondere bei stärkerer körperlicher Belastung oder längerem Ste- hen oder Sitzen über den hohen Venendruck zu einem Druck- und Spannungsgefühl innerhalb des betroffenen Bereiches, häufig auch im Bereich der Waden und Füße.
  46jähriger Patient mit schmerzhaftem KTS-Bereich
16
Therapeutisch helfen hier am einfachsten kleinere Ru-




















































































   14   15   16   17   18