Page 14 - Das Magazin 2015
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 Dezember 2015
   Abb. 3: MR-Untersuchung der Beine mit Kontrastmittel. Am rechten Bein sind die Arterien und Venen regelrecht ausge- bildet. Links hingegen fallen unförmige Gefässtrukturen am Fuß, Unterschenkel und Oberschenkel auf. Im Gegensatz zur Ultraschalluntersuchung liefert das MR eine vollständige und übersichtliche Bildgebung.
 Vorteile sind damit die Bildauflösung, die Gesamtüber- sicht, die Klärung der Flussmuster und die Bereitstellung von gutem Bildmaterial. Diese Informationen sind aber stark von der Untersuchungsqualität abhängig, so dass eine entsprechende Erfahrung vorhanden sein muss, um gute Bilder einer Gefässfehlbildung produzieren zu kön- nen. Eine enge Absprache zwischen behandelndem Arzt und Radiologe ist deshalb notwendig.
Weitere bildgebende Verfahren sind die Computertomo- graphie (CT) sowie die Angiographie und die Phlebogra- phie. Diese sind speziellen Fragestellungen vorbehalten, wenn nach Ultraschall und MRT noch ungeklärte Fragen bestehen.
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Behandlung
Ziele der Behandlung sind Aufklärung, Beseitigung von Beschwerden, Vermeidung von Bewegungsstörungen, Anleitung zur Selbsttherapie und Besserung des kosme- tischen Befundes. Eine vollständige Beseitigung der vas- kulären Malformation, so dass ein seitengleicher Befund erreicht wird, ist leider nur selten möglich. Um falschen Erwartungen und somit Enttäuschungen vorzubeugen, ist ein offenes Gespräch zwischen Behandler und Betrof- fenen bzw. dessen Eltern von großer Bedeutung.
Da jede Malformation etwas anders ist, gilt es, nach Erhebung der Ausgangssituation eine individuelle, maßgeschneiderte Be- handlungsstrategie zu finden und diese ein Leben lang anzupassen.
Je mehr Verständnis und je mehr Zusammenarbeit gelin- gen, desto besser wird das Langzeitergebnis. Somit er- scheint klar, dass nicht ein Therapieverfahren für alle das Mittel der Wahl ist, sondern dass im Einzelfall mehrere Behandlungsarten zusammengestellt werden müssen.
Dazu zählen:
- Aufklärung und Festlegung der Therapieziele
(Klarheit beseitigt Ängste)
- Krankengymnastik (professionelle Anleitung zur
Erhöhung der Beweglichkeit)
- Sport (soll Spaß machen und intensiv betrieben
werden)
- Kompressionsverbände (verringern den Blutstau) - Lymphdrainage (bei nachgewiesenem Lymph-
stau)
- Schmerzmittel und Blutverdünnung
(immer kurzfristig und bei Bedarf)
- Camouflage (Abdecken störender Feuermale
mit Kosmetika, siehe Seite 36)
- Lasertherapie (bei ausgedehnten Feuermalen,
wirkt nur oberflächlich)
- Verödung (Austrocknen der Fehlbildung
mittels einer Injektion durch die Haut, Abb. 4) - Embolisation über Katheter (wenn die
auszutrocknende Felhbildung auf dem
Blutweg gut erreicht werden kann, Abb. 5)
- Chirurgischer Eingriff (Entfernung einer großen,
gut zugänglichen Fehlbildung mit nur geringer Schädigung des umliegenden Gewebes).
Aufgrund der Tatsache, dass angeborene Gefässfehlbil- dungen relativ selten sind, ist nicht jeder Arzt, egal ob Kinderarzt, Angiologe oder Gefässchirurg, in der Lage eine solche komplexe Betreuung anzubieten.
Die Notwendigkeit unterschiedliche Verfahren zu kom- binieren, unterstreicht außerdem die Bedeutung von
Foto: © Kathrin Sachse


































































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