Page 13 - Das Magazin 2015
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 vor, die sich mehr an biologischen Gesichtspunkten ori- entiert (www.issva.org/). So werden Gefässfehlbildungen danach unterschieden ob ein langsamer oder schneller Blutfluss vorliegt. Die ISSVA-Klassifikation ermöglicht auch eine klare und verständliche Zuordnung, die Vor- aussetzung für eine sinnvolle Behandlung ist. Im klini- schen Alltag hat es sich bewährt, die zwei, sich ergänzen- den, Einteilungen anzuwenden.
Beschwerdebild
Die vermehrte Dichte an Blutgefäßen in einem bestimm- ten Körperareal geht mit einer gesteigerten Blutfülle ein- her. Aufgrund der irregulären Form fließt das Blut nicht, sondern sammelt sich, es „versackt“. Da das Blut wärmer als das umgebende Gewebe ist, wirkt die Fehlbildung wie eine Heizspirale. Je größer die angesammelte Blut- menge ist, desto wärmer, bzw. heisser wird es.
Das Beschwerdebild reicht dann von einem kaum wahrnehmbaren Spannungsgefühl bis hin zu brennenden Schmerzen, die auch die Nachtruhe erheblich stören können.
Darüberhinaus kann das angesammelte Blut gerinnen und so örtlich zu einer Venenentzündung führen. Der Schmerz ist schärfer und stärker, bildet sich aber inner- halb weniger Tagen wieder zurück. In diesem Zusammen- hang ist es wichtig zu wissen, dass es sich dabei nicht um eine tiefe Thrombose handelt, die Komplikationen wie eine Lungenembolie verursachen kann.
Ausgedehnte Gefässfehlbildungen können, insbesonde- re wenn diese an den Beinen lokalisiert sind, zu Schon- haltung und Fehlbelastung führen, was wiederum zu nachhaltiger Einschränkung der Beweglichkeit führen kann. Es ist wichtig zu betonen, dass Funktionsstörungen die schlimmsten Folgen einer angeborenen Gefäßfehl- bildung darstellen.
Die häufig vielmehr beachteten kosmetischen Aspekte dieser Erkrankung sind unter psychologischen Gesichts- punkten auch zu berücksichtigen, spielen aber für das Gesamtleben des Betroffenen eine geringere Rolle. So sollte der Vermeidung bzw. der Behandlung einer Funk- tionsstörung an Händen und Beinen immer große Auf- merksamkeit geschenkt werden.
Spontanverlauf
Eine angeborene Gefässfehlbildung verändert sich im Wachstum, aber auch in den nachfolgenden Jahrzehn- ten. Je mehr Blut sich staut und je mehr Blut fliesst im Laufe der Jahre, desto mehr passen sich die Gefässe an und wachsen. Dies wiederum ermöglicht die Aufnahme von noch mehr Blut. Dieser Prozess verläuft langsam und
stetig, führt aber nicht zu einer Gefährdung der Betrof- fenen. Wichtig ist zu wissen, dass ein lebenslanger Um- gang mit den Gefässveränderungen erlernt werden soll.
Untersuchungsverfahren
Durch das sehr individuelle Erscheinungsbild ist es immer notwendig, eine gründliche Bestandsaufnah- me jedes einzelnen Falles durchzuführen. Die bisheri- ge Krankheitsgeschichte, das aktuelle Beschwerdebild und eine befundorientierte körperliche Untersuchung stellen den Grundstein vor jeder weiteren apparativen Untersuchungsmethode dar. Man erfährt hierdurch die Lokalisation, die Schwere und häufig auch die Art der Gefässfehlbildung (mit langsamen oder schnellem Blut- fluss). Anschließend stehen unterschiedliche bildgeben- de Verfahren zur Verfügung.
Die Ultraschalluntersuchung (Abb. 2) ist immer ange- bracht und gibt Auskunft über
- die Tiefen-/ Längenausdehnung der Malformation - die Geschwindigkeit des Blutflusses
- die Funktion der Stammgefässe.
Vorteile sind die schnelle Durchführung, das Fehlen von Nebenwirkungen und die breite Verfügbarkeit. Nachteile sind die Untersucher-Abhängigkeit, und dass immer nur Ausschnitte eingesehen werden können. Ein übersichtli- ches Gesamtbild erhält man dadurch nicht.
Die Magnetresonanztomographie (MRT, Abb. 3) ist ein aufwendigeres Verfahren, das nur angebracht ist, wenn eine Behandlung der Gefässfehlbildung notwendig er- scheint. Das MRT ermöglicht:
- eine sehr detaillierte Abbildung der gesamten Fehlbildung
- einen Bezug zu den benachbarten Geweben
- Flussverhältnisse im Zeitverlauf abzubilden
- eine sehr genaue Darstellung aller übrigen Gefäße
Dezember 2015
     Abb. 2: Ultraschallbild am Oberschenkel. Die Malformation sitzt tief in der Muskulatur. Ein langsamer Blutfluss (im Farbausschnitt) kann durch massieren der Weichteile ausgelöst werden.
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