Page 43 - Magazin Ausgabe 1, September 2012
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September 2012
gen vornimmt, wird das Gesetz rechtskräftig beschlossen                        
Jetzt wäre der Weg frei für Krankenhäuser, die Interesse daran haben eine solche Spezialambulanz einzurichten,                                                          einen, wenn auch kleinen, Anreiz!
Hört sich alles ganz super an, aber leider hat das Ministe- rium vergessen, dass die niedergelassenen Ärzte so ‘we- nig‘ zu tun haben und Angst um ihre Existenz haben. Sie wollen natürlich so wenige Patienten wie möglich an die Krankenhäuser abgeben. Zu viele dieser Ärzte vergessen, dass sie den „Seltenen“ gar nicht helfen können, weil sie das unabdingbare Spezialwissen gar nicht haben und so ihre Patienten stark gefährden.
Also kämpfen die Vertreter der KBV gegen alle Konkreti- sierungen – werden aber meistens überstimmt. In einigen Fällen gab es sogar Klagen gegen Krankenhäuser, die eine Spezialambulanz einrichten wollte.
Meine Geschichte: Teil 1
Fleißig und wissenshungrig wie wir im Bundesverband nun mal sind, nahm ich im Februar 2010, mehr oder weniger zufällig, an einem Seminar der BAG-Selbsthil- fe teil. Es fand wohnortnah zufällig in Düsseldorf statt. Trotz eines Verkehrschaos‘ das an diesem Morgen ent-                                                         eine S-Bahn zu steigen, kam ich dort an. Unter anderem war auch Frau Renate Pfeifer als ständige Patientenver- treterin im G-BA dort und hielt einen Vortrag über den §116b. Dies war meine erste Begegnung mit diesem Paragraphen – da wusste ich noch nicht was auf mich zukam.
Ich erfuhr, dass schon einige „Seltene“ im Konkretisie- rungsausschuss thematisiert wurden. Wir, die Peripheren Gefäße, allerdings noch nicht. Wenn wir uns beeilen wür- den, könnte sie uns vielleicht noch dieses Jahr mit ein- bringen. Ich organisierte, dass sich Dr. Kröger mit ihr in Verbindung setzte.....und dann verlor ich zunächst jede Spur!
Meine Geschichte: Teil 2
Im Juni bekam ich einen Dringlichkeitsanruf von Maria Bäumer und Claudia Köster. Sie teilten mir mit, dass wir, der Bundesverband Angeborene Gefäßfehlbildungen e.V., vom ACHSE e.V. benannt worden seien, im G-BA un- sere Interessen bezüglich des §116b zu vertreten. Bei- de waren urlaubsbedingt verhindert, den ersten Termin in Berlin am 10. August wahrzunehmen ... also war ich dran! OK, man hat mich gefragt, aber ein wirkliches Wi- derspruchsrecht hatte ich nicht.
Ich hatte überhaupt keine Ahnung was der G-BA ist, was meine Aufgabe sei, ich musste akkreditiert werden, musste seitenweise ein Starterkit lesen, musste mit un- serem Medizinischen Beirat zwecks Unterstützung in Kontakt treten, musste eine Bahnfahrt oder einen Flug buchen, meinen Dienst tauschen ...
Und dann kam der Termin. Berlin, Wegelystraße, G-BA, am 10. August 2010. Ich erlebte Demokratie pur! Ich sage euch – grauselig! Ich darf natürlich keine Details aus die- ser Sitzung nennen. Aber alle PatV´s waren geschockt und ich hatte die Nase gestrichen voll ob des Umgangs- stils in diesem Ausschuss. Was habe ich gezetert, da fahre ich nie wieder hin, das könnt ihr selber machen ;-) dafür ist mir meine Zeit zu schade!!!
Nachgeschichte:
Mittlerweile läuft alles viel relaxter, der Umgangsstil hat sich normalisiert. Nachdem ich weitere 2mal dort war, gehöre ich schon zu den ´Alten Hasen´ und freue mich fast auf den nächsten Termin. Unser Medizinischer Bei- rat hat mich mal mehr, mal weniger tatkräftig unterstützt. Ich habe liebe Menschen (PatV´s wie G-BA-Mitarbeiter) kennengelernt, und das rechtfertigt diesen Aufwand. Und schließlich neigt sich meine Aufgabe in Berlin dem Ende zu, denn wir haben mittlerweile die Peripheren Gefäß- fehlbildungen konkretisiert. Die Verhandlungen sind ab- geschlossen, alle Verhandlungsparteien waren der Mei- nung, dass es für uns Spezialambulanzen geben muss. Im Januar wird noch mal kurz über die notwendigen Ärzte gesprochen – welche Fakultäten müssen die Leitung übernehmen, welche müssen ständig anwesend sein und welche „auf Abruf stehen“. Dann geht alles wie oben er- wähnt in den Unterausschuss und dann ins Plenum. Ende 2010 könnte alles abgesegnet sein.
Und was wird dann?
Werden die niedergelassenen Ärzte auch unseren Ärzten das Einrichten einer Spezialambulanz erschweren? Wer- den sich unsere Ärzte den Marathon und den Papierkrieg einer Zulassungsprozedur antun?
Ob dieser Aufwand in Berlin letztendlich sinnvoll war, weiß ich nicht. Und auch nicht, welche Überraschungen uns die Zukunft noch bringt!
Und: Das ist gut so!
Anmerkungen der ständigen Patientenvertreterin im G-BA, Frau Renate Pfeifer, 11. Juni 2012
(Renate Pfeifer)
Inzwischen gibt es eine Neufassung des § 116b SGB V im Rahmen des Versorgungsstrukturgesetzes, die große Ver- änderungen bewirkt. Ein neuer Versorgungssektor wurde mit der „Spezialfachärztlichen Versorgung“ eingerichtet. Nun muss erst eine neue § 116b Richtlinie formuliert werden und erst danach werden die einzelnen Konkre- tisierungen der Erkrankungen angepasst. Dies soll bis Ende 2012 geschehen.
Die niedergelassenen Ärzte sind nun berechtigt bei § 116b mitzumachen, Klagen sollen entfallen, es wird Ein- schränkungen auf schwierige Verläufe in der Onkologie geben. Ob es auch bei den “Seltenen” Einschränkungen geben wird, müssen wir abwarten. Es wird nicht mehr „zu- gelassen“, sondern die Einrichtung muss nur anzeigen, dass sie die Anforderungen erfüllt, kommt kein Wider- spruch, dürfen sie zwei Monate später behandeln. Eine neue Vergütung wird angestrebt.
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