Page 36 - Magazin Ausgabe 1, September 2012
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September 2012
Chronische Wunden und Wundheilung (Prof. Dr. K. Kröger)
Wundheilung ist ein biologisches Phänomen, das für uns selbstverständlich ist und über das wir nicht nachden- ken. Große Verletzungen, wie die Amputation eines Bei-                                                            Operation, verheilen innerhalb weniger Wochen ohne unser Zutun. Umso erstaunlicher ist es, dass es chroni- sche Wunden gibt, die nicht heilen. Die Frage, die sich der Wundtherapeut immer stellen muss ist, warum heilt die Wunde nicht.
1. Phasen der Wundheilung
Bei der Wundheilung unterscheidet man verschiedene Phasen, die einer unterschiedlichen Therapie bedürfen.
Reinigungsphase: Abgestorbenes Gewebe wird abge-                                                         Wunde und die Grenze zwischen totem Gewebe und noch frischem Gewebe bildet sich heraus. Granulationsphase: Die Regeneration des Gewebes be- ginnt. Der Defekt wird mit frischem Gewebe (Granulati- onsgewebe) aufgefüllt.
Epithelisierung: Die Wunde ist vollständig aufgefüllt und die Bedeckung des frischen neuen Gewebes mit Haut (Epithel) erfolgt vom Wundrand aus.
man z.B. mit einem Skalpell die Wundränder angeschnit-                                                         Instrument) den Wundgrund aufgerissen hat. Durch die- se Schädigung wurden dann erneut am Rande der Wunde die Mediatoren freigesetzt, die die Wundheilung in Gang setzten. Diesen Weg wählt man heute nur noch in Ein- zelfällen. Im Vordergrund der modernen Wundtherapie stehen die Ausschaltung der wundheilungshemmenden Ursache und die sorgfältige Stimulation der meist noch vorhandenen Restaktivität der Wundheilung.
2. Ursachen für eine Wundheilungsstörung
Es gibt viele Ursachen für eine Störung der Wundheilung. Die bekanntesten sind eine Infektion, eine Blutzucke- rerkrankung, eine arterielle Durchblutungsstörung, eine                                                    - ve (Immunabwehr schwächende) Therapie z.B. mit Corti- son. Diese allgemeinen Ursachen spielen bei Patienten mit angeborenen Gefäßfehlern nur zum Teil eine Rolle. Die wichtigsten Ursachen für chronische Wunden bei Menschen mit peripheren Gefäßfehlern sind:
                           
D                                                              alle Störungen des venösen Bluttransports. Krampfadern, abgelaufene Thrombose oder wie bei Menschen mit einer                                                     - nen stören den venösen Rückstrom des Bluts. Dies führt zu einem erhöhten Druck im Venensystem des Beins oder des Arms. Dieser erhöhte venöse Druck stört den Blut-                                                          Ernährung des Gewebes. Die Folge ist eine Ulkusbildung                                                           - pie besteht in der Ausschaltung der nicht funktionstüchti- gen Venen und in der Kompressionstherapie.
Arterio-venöse Fisteln
Arterio-venöse Fisteln sind Kurzschlussverbindungen zwischen den Arterien und den Venen. Normalerweise muss das Blut durch die Kapillare, um von der Arterie in die Vene zu gelangen. In den Kapillaren werden Sauer-                                                             Blut über arterio-venöse Fisteln, kann es das Gewebe nicht versorgen und kleine Verletzungen heilen nicht, sondern vergrößern sich zu chronischen Wunden. Die ad- äquate Therapie besteht in dem Ausschalten der arterio- venösen Fistel. Dadurch wird das Blut gezwungen über                                                     
Druck
Dauerhafter und lang anhaltender Druck auf das Gewebe verhindert die Durchblutung, wodurch die Kapillaren von außen verschlossen werden. So kommt es bei Patienten, die lange im Bett liegen, zu Druckstellen am Rücken und Steißbein oder bei Menschen, die im Rollstuhl sitzen, zu Druckstellen im Bereich des Sitzbeins. Solche druckbe- dingten Wunden sind aber auch an jeder anderen Kör- perstelle möglich. So kann z.B. auch falsches Schuhwerk
                              
in der Granulations- und Epithe- lisierungsphase. Das Granulati-                                   aber nach Abtragung der gelben Fibrinschichten rötlich erschei-                                   Epithelisierung zu erkennen.
                        sen nebeneinander in der Wunde ab. Die Wund- heilung ist ein natürli- cher Prozess, der in dem Moment beginnt in dem die Verletzung entsteht. Mit der Verletzung wer- den aus dem verletzten Gewebe Mediatoren (Bo-                          die die Wundheilung ini- tiieren. Sie locken die Blutzellen an, die für die Beseitigung der unter- gegangenen Zellen not- wendig sind. Gleichzei- tig regen sie das Zell- wachstum und die Bil- dung von Blutgefäßen an, die benötigt wer-
                                                 - ten Stelle zu bringen.
Werden diese automatisch ablaufenden Prozesse unter- brochen, stoppt die Wundheilung.
Bis heute können wir die einzelnen chemischen Abläufe der Wundheilung nicht synthetisch nachstellen und kön- nen auch eine Wunde, die einmal aufgehört hat zu heilen, nicht künstlich anregen, den Heilungsprozess wieder auf- zunehmen. Früher hat man sich dadurch geholfen, dass
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