Page 34 - Magazin Ausgabe 1, September 2012
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September 2012
Thrombophlebitis (Phlebitis) Krankheitsbild
(Prof. Dr. K. Kröger)
Auch die Verlaufsform ist unterschiedlich. Es können gleichzeitig oder zeitlich verzögert mehrere kleine Phle- bitiden entstehen. Der Verlauf kann schubweise sein und die obere Extremität kann mitbeteiligt sein. Das sprung- hafte Auftreten an verschiedenen Lokalisationen wird als saltanierend bezeichnet und eine sich langsam ausdeh- nende Form als migrierend. Ursächlich stehen entzündli- che Phänomene der Venenwand im Vordergrund, die zum Symptomenkomplex anderer Grunderkrankung gehören.
Symptome
Die Leitsymptome einer Phlebitis sind ein lokaler Schmerz, eine tastbare subkutane Resistenz (Verhär- tung), eine Rötung und Überwärmung. Bei ausgeprägten Befunden können eine begleitende Schwellung, subfeb- rile Temperaturen und eine schmerzhafte Bewegungsein- schränkung auftreten.
Obwohl die Phlebitis primär klinisch diagnostiziert wird, sollte bei ausgeprägten Befunden oder zweifelhaften Be- funden eine farbkodierte Ultraschalluntersuchung mit 5 bzw. 7 MHz Schallkopf durchgeführt werden. Nur so kann das Ausmaß der Phlebitis sicher beurteilt werden. Wich- tig ist dabei nicht nur die Diagnose der Phlebitis, sondern vor allem der Ausschluss einer Mitbeteiligung der tiefen Venen.
Obwohl Phlebitiden im Vergleich zu Thrombosen selte- ner Lungenembolien verursachen, muss an diese Mög- lichkeit gedacht werden.
Therapie
Grundlage der Therapie einer Phlebitis ist wie bei einer Thrombose die Kompression und die Antikoagulation (Blutverdünnung). Die Kompression wird erreicht durch einen Kompressionsverband oder einen Kompressions- strumpf bzw. –ärmel.
Eine Antikoagulation ist bei der umschriebenen Phlebitis meist nicht erforderlich. Es gibt jedoch folgende Ausnah- men, die eine Heparingabe für einige Tage sinnvoll oder sogar notwendig machen. Die Dauer der Heparingabe hängt dabei vom klinischen Verlauf ab.
   Bei Nachweis der Beteiligung der tiefen Venen liegt eine Thrombose vor und diese muss wie eine Throm- bose behandelt werden. Nach der initialen Heparini- sierung folgt eine Antikoagulation für drei Monate.
   Bei duplexsonographisch dokumentierter Zunahme der Ausdehnung der Phlebitis trotz Kompressionsver- band sollte Heparin gegeben werden, um die weitere Ausdehnung zu stoppen (Prophylaxedosis).
   Bei einer Phlebitis der proximalen Vena saphena ma- gna bzw. parva, die nahe an die Mündung in das tiefe Venensystem heranreicht, sollte man möglichst sicher den Übertritt in das tiefe Venensystem verhindern (kurzfristig doppelte Prophylaxedosis oder sogar the- rapeutische Dosis eines niedermolekularen Heparins).
Grundsätzlich ist eine Thrombophlebitis oder Phlebitis nichts anderes als ein Blutgerinnsel in einer Vene, also eine Thrombose.
                                                                                                                                                                                für die Thrombose einer tiefen Vene verwendet.
                                                         -                                                             - se“ benutzt und dann die Unterscheidung in eine tiefe                                                         -                                                         
Außerdem unterscheidet man Phlebitiden nach der klini- schen Ursache oder Erscheinung
Katheterassozierte Thrombophlebitiden
                                                             Blutabnahmen oder Venenverweilkanülen bzw. Venen- katheter. Die Ursachen dieser Phlebitiden sind direkte Reizungen der Venenwand durch die Nadel bzw. den Ka- theter selber oder durch die Infusionslösungen. Seltener sind Allergien auf das Kathetermaterial, Gerinnungsstö- rungen und die Einschwemmung pathogener Keime Ur- sache.
Jeder Mensch reagiert anders und es gibt Menschen, bei denen einzelne Venenverweilkatheter über mehrere Tage bis Wochen liegen beleiben können, und andere, die auf diese Zugänge bereits am ersten Tag mit einer Phlebitis reagieren. Warum Menschen so verschieden reagieren, weiß man nicht.
Varikophlebitis
                                                                  in einer vorbestehenden Krampfader (Varize oder Vari-                                                          aller Phlebitiden am Bein aus. Mit Zunahme der Varikosis                                                          zu. Solche Phlebitiden können entsprechend dem Aus- maß der Varikosis recht ausgedehnt oder auch nur streng auf einen Venenast begrenzt sein.
Als Ursache dieser Phlebitiden steht die Stase, also das                                                            - grund. Patienten mit einer Varikosis wird geraten Wärme (Thermalbäder, Sauna) zu meiden, da die Wärme über die Venenweite die Stase begünstigt. Auch lokale Traumen im Bereich einer Varikosis können zu einer Phlebitis führen.
Seltene Formen der Phlebitiden sind die Phlebitis sal- tans et migrans und die Mondor Phlebitis. Diese Formen der Phlebitiden treten in zuvor nicht veränderten Venen auf. Daher sind sie in ihrer Ausdehnung meist klein und nicht den großen subkutanen Leitvenen zugeordnet.
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