Page 33 - Magazin Ausgabe 1, September 2012
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September 2012
Verordnung von Kompressionsstrümpfen und Therapiemaßnahmen
Die Verordnung von Kompressionsstrümpfen bzw. anderen Kompressionswaren ergibt sich nicht aus der Heilmittel- Richtlinie, sondern ist eine Verordnung von Hilfsmitteln.
Dabei enthält die Hilfsmittel-Richtlinie des G-BA keine konkreten Ausführungen zur Verordnung von Kompressi- onswaren.
Gemäß § 33 Abs. 1 SGB V (Gesetzliche Krankenversiche- rung) besteht zunächst ein Anspruch auf Versorgung mit Hilfsmitteln, die im Einzelfall erforderlich sind. Die all- gemeinen Regeln der Hilfsmittel-Richtline (HilfsM-RL) machen Ausführungen zur Diagnostik des Arztes vor Ver- ordnung eines Hilfsmittels. Hieraus ergibt sich, dass er den Bedarf, die Fähigkeit zur Nutzung, die Prognose und das Ziel der Versorgung mit einem Hilfsmittel vor Ver- ordnung zu ermitteln hat und die Wirtschaftlichkeit der Verordnung zu berücksichtigen hat (vgl. § 6 HilfsM-RL). Eine Mehrfachausstattung mit Hilfsmitteln kann nur dann verordnet werden, wenn dies aus medizinischen, hygie- nischen oder sicherheitstechnischen Gründen notwen- dig oder aufgrund der besonderen Beanspruchung durch den Versicherten zweckmäßig und wirtschaftlich ist (§ 6 Abs. 7 HilfsM-RL).
Zur Hilfestellung bei der Verordnung von Kompressi- onsware kann der Arzt auch auf Leitlinien bzw. entspre- chende Merkblätter der Fachgesellschaft für Phlebologie zurückgreifen, z.B. das „Merkblatt zur Verordnung von medizinischen Kompressionsstrümpfen (MKS) bei venö- sen und lymphatischen Krankheitsbildern“. Dort ist auf- geführt, dass ein Strumpf in der Regel 6 Monate hält.
Aus der Praxis ist bekannt, dass einige Krankenkassen                                                    - dest dulden. Dies macht nicht nur medizinisch, sondern aufgrund der täglichen Anwendung auch hygienisch Sinn.
Hierfür kommt es auf die Unterstützung des behandeln- den Arztes an, der die Notwendigkeit begründen muss (Arbeit, Sport, Freizeitgestaltung, Blutungsneigung, usw).                                                      - züglich der Kostenübernahme zu halten.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland.
                                                     http://www.g-ba.de/downloads/62-492-309/RL-Hilfs- mittel-Neufassung-2008-10-16.pdf
Das Merkblatt zur Verordnung von medizinischen Kom- pressionsstrümpfen (MKS) bei venösen und lymphati-                                           
http://www.lympho-opt.de/fileadmin/user_upload/ PDFs/News/Merkblatt_Kompressionsstruempfe.pdf
Neue Heilmittel-Verordnung für Therapiemaßnahmen
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) verabschie- dete die Heilmittelverordnung mit Wirkung seit 01. Juli 2011 neu.
Eine für chronisch Erkrankte wesentliche Änderung ist u.a. in §8, Absatz 5 geregelt.
Hier heißt es wörtlich:                                       Regelfalls [...]
5) Auf Antrag der oder des Versicherten entscheidet die Kran- kenkasse darüber, ob der oder dem Versicherten wegen der sich aus der ärztlichen Begründung ergebenden besonderen Schwere und Langfristigkeit ihrer oder seiner funktionellen/ strukturellen Schädigungen, der Beeinträchtigungen der Ak- tivitäten und des nachvollziehbaren Therapiebedarfs die ver-                                                            genehmigt werden können. Die Genehmigung kann zeitlich befristet werden, soll aber mindestens ein Jahr umfassen.«
Das heißt, nun können zum Beispiel chronisch kranke Pa- tienten bei schweren, dauerhaften Schädigungen einen Antrag auf eine langfristige Genehmigung von Heilmittel- Verordnungen (wie Krankengymnastik, Übungsbehandlun- gen, Kälte-, Wärmetherapien, usw.) bei ihrer Krankenkasse stellen. Damit sollen insbesondere für Fälle, in denen der Behandlungsbedarf mit Heilmitteln für einen längeren Zeitraum feststeht, die Genehmigungspraxis mit einer Gültigkeit von mindestens einem Jahr vereinfacht werden.
Im aktuellen Heilmittelkatalog wird darauf hingewiesen, dass die Therapie ab dem Zeitpunkt der Vorlage der Ver- ordnung durch die Versicherten bei der zuständigen Kran- kenkasse weitergeführt werden darf. Die Krankenkasse ist                                                         über diesen Antrag zu übernehmen. Bei einer Ablehnung der Genehmigung dürfen die Kosten, der bis dahin be- reits erbrachten Leistungen, durch die Krankenkasse nicht vom Versicherungsnehmer zurückgefordert werden.
Zur Beachtung: Diese Regelung gilt so nur in der BRD. „Heilmittel“ sind in Deutschland ausschließlich ärztlich verordnete, medizinische Dienstleistungen, die im Heil-                                                            und wobei auch einiges, was der „Otto Normalverbrau- cher“ vielleicht hinzuzählen könnte, ausgeschlossen wird. In Österreich und der Schweiz gelten andere Regelungen!                                                                  gefasst und umfasst unter anderem auch Arzneimittel.
Im Internet zum Thema: Heilmittel-Richtlinie: www.g-ba. de/informationen/richtlinien/12/
aktueller Heilmittel-Katalog: www.heilmittelkatalog.de
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