Page 29 - Magazin Ausgabe 1, September 2012
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zierte Aktivität sowie eine zunehmende Schwellung des Kniegelenkes. Eine Bewegungseinschränkung lag nicht vor. Die Beschwerdesymptomatik wurde auswärtig auf folgende Erkrankungen zurückgeführt: Poly-villonodu- läre Synovialitis, Borreliose, M. Perthes sowie „Rheuma“. Nach einer von uns durchgeführten arthroskopischen Koagulation intraartikulärer Gefäßfehler sowie der zu- sätzlich gefäßchirurgischen Resektion von extraartiku- lären Gefäßfehlern war der Patient 7 Jahre postoperativ beschwerdefrei, und zwar bei vollem Bewegungsumfang.
Destruktive, angiodysplastische Arthritis – „Hauert Disease“ – Stadium 2
In diesem Stadium sind die klinischen Symptome, im Ver- gleich zum Stadium 1, ausgeprägter, die fortgeschrittene Bewegungseinschränkung ist klinisch führend. Nativra- diologisch sind beginnende knöcherne Destruktionen so- wie indirekte Zeichen (Gelenkspaltverschmälerung, Zys- tenbildung) erkennbar. Kernspintomographisch wird das Ausmaß der Beteiligung des ortsständigen Gewebes be- urteilt. Therapeutisch ist ein arthroskopisches Vorgehen empfehlenswert. Bei ausgeprägter Bewegungseinschrän-                                                                                                                                                                                   (Quengelschiene) notwendig. Damit konnte ein gutes Er- gebnis mit gering-progredienten Destruktionen bei der Nachuntersuchung festgestellt werden.
Destruktive, angiodysplastische Arthritis – „Hauert Disease“ – Stadium 3
Stadium 3 ist gekennzeichnet durch fortgeschrittene De- struktionen im Nativröntgenbild sowie durch Arthralgien mit Bewegungseinschränkung. Die Verläufe sind z. T. stark fortschreitend, so dass bereits im Kindes- und Jugendal- ter massiv destruktiv veränderte Gelenke zu beobachten sind.
Trotz fortgeschrittener Gelenkdestruktionen konnte er- staunlicherweise allein durch ein arthroskopisches Vor- gehen in 14 Fällen ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden. Weitere Therapieoption ist der endopro- thetische Ersatz. Aufgrund der ausgedehnten Gefäßfehler                                                           - närer Zusammenarbeit mit dem Gefäßchirurgen notwen- dig. Bei ausgedehnten poplitealen Herden mit Kapselin-                                                          knöcherne Spange am dorsalen Tibiaplateau belassen, um eine Protektion gegen iatrogene Gefäßverletzungen zu haben.
Diskussion
                                                     -                                                               altersunabhängig. Die klinischen Symptome werden fälschlicherweise oft nur dem Gefäßfehler zugeordnet.
Eine Diagnostik mittels MRT zur frühzeitigen Diagnose- stellung ist daher unabdingbar, um mit Hilfe spezieller orthopädisch-gefäßchirurgischer Therapien das Fort- schreiten der Destruktionen zu verhindern. Ist der Zusam-
menhang zwischen Gefäßfehler und destruktiver Arthritis (Hauert Disease) unbekannt, so ist eine Fehlinterpretati-                                                        - schauender Durchsicht eine breite Vielfalt von Fehldia- gnosen: sero-negatives Rheuma, juvenile idiopathische Oligoarthritis, poly-villonoduläre Synovialitis, Bluterge- lenk, Borreliose, M. Perthes, Schmerz bei Gefäßfehler, Ar- throse, Gelenkempyem, Coxitis fugax, Osteochondrosis dissecans. Entsprechend unbegründet waren die Thera- pien. Diese variieren von der Gabe von Antibiotika, Indo- metacin, Gold, Chloroquin bis hin zur Verabreichung von Resochin oder sogar Methotrexat. Auch Strahlentherapie oder totale Synovektomien wurden durchgeführt. In zwei Fällen wurde den jungen Patienten als alleinige Therapie ein Rollstuhl verordnet.
Folgende pathogenetische Faktoren zur Entstehung der destruktiven Arthritis werden diskutiert: (1) eine chroni-                                                       - tion von fehlgebildeten Gefäßen, (2) Texturstörungen des Gewebes und (3) rezidivierende Einblutungen in das Ge- lenk. Letztere scheinen jedoch nicht grundsätzlich eine notwendige Voraussetzung für die Entstehung von Dest- ruktionen zu sein, da solche Destruktionen auch „fernab“ von den Gefäßschäden entstehen können.
Unsere Ergebnisse zeigen, dass die destruktive, angi- odysplastische Arthritis – Hauert Disease – ein eigen- ständiges Krankheitsbild darstellt und sich in Ätiologie, im klinischen Erscheinungsbild sowie der orthopädisch- gefäßchirurgischen Therapie von anderen Gelenkpatho- logien deutlich unterscheidet.
Auf Grund der hohen Rate an Fehldiagnosen und an fal- schen Therapieansätzen ist sowohl bei der Diagnostik als auch bei den operativen Interventionen ein interdiszip- linäres Vorgehen mit Orthopäden, Gefäßchirurgen und Radiologen zu fordern. Es sollte nur in spezialisierten Zentren erfolgen.
Da es sich um ein eigenständiges Krankheitsbild handelt, empfehlen wir ein stadienadaptiertes Vorgehen entspre-                                                            - plastischen Arthritis – Hauert Disease. Wir raten zu einem arthroskopischen Vorgehen, da im Gegensatz zu degene- rativen Erkrankungen auch in fortgeschrittenen Stadien ein gutes Langzeitergebnis erzielt werden kann.
September 2012
Buchvorstellung
„Freddy Ein wildes Hamsterleben“
von Dietlof Reicher Julius Beltz Verlag
empf. Alter 10 - 12 Jahre ISBN-10: 3407786131 Preis: 6,95 €
Die Geschichte ist aus Tiersicht geschrieben.
Als Fortsetzungsgeschichte ausgelegt macht das Buch Lust darauf mehr über Freddy zu erfahren.
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