Page 23 - Magazin Ausgabe 1, September 2012
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September 2012
Interstitielle Thermo Therapie (ITT)
Die Punktionsnadel wird hierbei unter ständiger Ultra- schall-Kontrolle eingeführt, um eine exakte Positionie- rung direkt an den zu schrumpfenden Gefäßen oder in- nerhalb der Gefäße selbst zu erzielen. Dann wird durch die Punktionsnadel eine dünne Laserfaser aus Quarzglas, mit einem Durchmesser von weniger als 1 mm vorge- schoben, durch die das Laserlicht direkt an den Wirkort geleitet wird. Auch die Abgabe des Laserlichtes in das Gewebe oder direkt in das krankhafte Gefäß wird fort- laufend unter Ultraschall-Kontrolle überwacht. Dadurch kann die gewünschte Ausbreitung der Hitzewirkung kon- trolliert und die ungewünschte Beeinträchtigung benach- barter gesunder Strukturen vermieden werden. Durch diese präzise Anwendung können Malformationen selbst in unmittelbarer Nähe von sensiblen Nachbarstrukturen, wie z.B. den großen Halsgefäßen oder Nerven behandelt werden.
Wiederholtes Vorschieben der Punktionen in unter- schiedlichen Richtungen ist durch eine einzige Hautpunk- tionsstelle möglich, so dass die Verletzungen der Ober-                                                              und des Punktionssystems wird die Einstichstelle kurz komprimiert, Nachblutungen treten nur ausgesprochen selten auf.
Prinzipiell kann an jeder Stelle behandelt werden, die mit dem Laserlicht erreicht wird.
So können auch Gefäßveränderungen innerhalb großer                                                                                                                      in Zusammenarbeit mit den Kollegen der Unfallchirurgie eine Gelenkspiegelung mit Einbringen der Laserfaser und Schrumpfen der Gefäße unter direkter Sicht.
In entsprechender Weise erfolgt auch die Behandlung krankhaft erweiterter Gefäße an den Innenwänden von Hohlorganen wie der Luftröhre, der Harnblase, dem Ma- gen oder auch Darm durch Einbringen der Laserfaser durch die jeweiligen Endoskope.
Fast nie ist eine Einmalbehandlung erfolgreich: „einmal ist keinmal“.
In der Regel ist eine Behandlungsserie mit Intervallen von 6 bis 8 (-12) Wochen sinnvoll, gefolgt von einer längeren
Behandlungspause, wenn eine Verminderung der Be- schwerden oder Beschwerdefreiheit eingetreten ist. Da die Malformation zwar reduziert aber nicht beseitigt ist, können später neuerliche Beschwerden auftreten. Dann sind weitere Laserbehandlungen möglich, bis erneut eine Besserung eingetreten ist.
Therapeutische Besonderheiten bei den verschiedenen Formen der Malformationen:
Lymphatische vaskuläre Malformationen (LVM)
Wir unterscheiden hier verschiedene Formen, je nach- dem, ob die Malformation aus wenigen großen Zysten, ei- ner Ansammlung kleiner Zysten innerhalb lymphatischen Gewebes oder ganz überwiegend aus solidem Gewebe ohne im Ultraschall darstellbare Zysten besteht.
Bei großen Zysten, die in der Punktionstechnik erreicht werden, ist das Ziel der Laserbehandlung die Auslösung einer Entzündung an den Zystenwänden, um neben einer Schrumpfung das neuerliche Nachlaufen von Flüssigkeit zu verhindern und so das Volumen zu reduzieren. Um                                                                - behandlung zusätzlich ein Medikament in die Zysten ein. Dieses OK 432 (Picibanil ®) wird aus unschädlich ge- machten Bakterienstämmen gewonnen und hat sich bei vielen Anwendungen in den letzten Jahren als die am besten wirksame zusätzliche Behandlung erwiesen.
Bei ganz überwiegend soliden LVM ist der zu erzielen-                                                        hier sollte stets auch die Möglichkeit der chirurgischen Massenreduktion mit in Betracht gezogen werden.
                                                                                                               Schleimhäute und besonders der Zunge, deren Aussehen an Froschlaich erinnert. Die Komplikationen entstehen hier durch wiederholte Einblutungen und Entzündungen. Ziel der Behandlung ist hier die Verödung durch direkte Nd:YAG Einwirkung, in speziellen Fällen auch die direkte Abtragung mit dem CO2-Laser. In der postoperativen Pha- se ist dabei die regelmäßige Spülung mit Desinfektions- lösungen und Salbeitee von großer Bedeutung.
Direkt nach der Behandlung kann es zu Störungen der Sensibilität und des Geschmackssinns kommen, diese sind in der Regel vorübergehend und bilden sich inner- halb von wenigen Wochen zurück.
Venöse vaskuläre Malformationen (VVM)
Die Domäne der Lasertherapie stellen hierbei die lokal begrenzten, sog. extratrunkulären* Malformationen dar.                                                          - lich liegenden Gefäßen müssen hier durch die Schrump- fung bedingte Unregelmäßigkeiten in Kauf genommen werden. Überwiegend erfolgt die Therapie mittels Nd:YAG                                                      - tomatische Besserung von Spannungs- und Schwellungs- gefühlen ist die Regel. Erweiterte Gefäßräume, die die Muskulatur durchsetzen, werden über die Punktionstech- nik erreicht. Bei den ausgedehnten, ganze Extremitäten
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