Kompressionstherapie

Die Kompressionstherapie ist die älteste und heute noch am häufigsten angewandte Be-handlungsmethode bei allen Krankheiten der Venen und Lymphgefäße. Die Wirkung der Kompressionstherapie bei Gefäßerkrankungen umfasst zwei Teileffekte, erstens die Wirkung auf die Hämodynamik des venösen Rückflusses und zweitens die Wirkung auf das Ödem.

Die Kompressionstherapie hat daher folgende Effekte:

  • Sie steigert den venösen Rückfluss aus den Beinvenen in die Becken- und Bauchvenen.
  • Sie steigert den Abfluss des venösen Blutes aus den oberflächlichen Venen in das tiefe Venensystem.
  • Sie reduziert das Blutvolumen in dem oberflächlichen und tiefen Venen des Beines.
  • Sie reduziert die Druckbelastung der Venenwand und wirkt damit einer druckpassiven Erweiterung entgegen
  • Sie mobilisiert extrazellular gelegene Flüssigkeit (Ödem) und ermöglicht so den Transport über das Lymphgefäßsystem.

Zur Kompressionstherapie dienen Kompressionsverbände und Kompressionsstrümpfe bzw. –ärmel.

Kompressionsverbände
Kompressionsverbände können als Dauer- oder Wechselverbände angelegt werden. Je weniger dehnungsfähig das Verbandsmaterial ist, desto größer ist die Tiefenwirkung und die entstauende Wirkung. Daher benutzt man Kurzzugbinden mit einer Dehnungsfähigkeit von etwa 70 % und wickelt sie mit leichtem Zug. Der Verband muss die Gliedmaße allseitig gleichmäßig umschließen und darf nicht schnüren. Der Auflagedruck muss von herzfern nach herznah ansteigen. Der Andruck des Verbandes beim Wickeln ist abhängig vom Ausmaß des Ödems. Als Faustregel gilt, dass der Anzug um so kräftiger sein muss, je stärker das Ödem ist. Bei zunehmendem Rückgang des Ödems muss auch die Kraft, mit dem der Verband angelegt wird, reduziert werden, um keine Druckstellen zu verursachen.

Kompressionsstrümpfe
Ein Kompressionsstrumpf kann erst dann angemessen werden, wenn die Extremität die gewünschten Umfangsmaße angenommen hat und die Ödeme beseitigt sind. Ein Kom-pressionsstrumpf beseitigt ein Ödeme nicht, sondern hält die Extremität, auf die der Strumpf angemessen worden ist, schlank. Er stabilisiert damit den durch die Entstauungstherapie erreichten schwellungsfreien Zustand. In bestimmten Situation sollte kein Kompressionsstrumpf angemessen werden, entweder weil der Zustand der Haut dies nicht zulässt oder weil die arterielle Versorgung der Extremität gemindert ist.


Gründe, die gegen einen Kompressionsstrumpf sprechen

  • Schwere arterielle Durchblutungsstörungen
  • Nässende Dermatosen
  • Floride Ulzera
  • Trophische Störungen
  • Ekzeme
  • Furunkel, Erysipel, Abszeß

Kompressionsstrümpfe gibt es in verschiedenen Kompressionsklassen. Dabei werden vier Kompressionsklassen anhand der Stärke des Auflagedrucks im Fesselbereich unterschieden. Die Länge des Kompressionstrumpfes kann sehr unterschiedlich sein und richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen. Es gibt Zehenkappen, Socken, Unter- und Oberschenkelstrümpfe, Strumpfhosen sowie Handschuhe und Ärmel.


Gründe für Kompressionsstrümpfe und die verschiedenen Kompressionsklassen

Kompressionsklasse

I Leichte Kompression

Leichte Oberflächenwirkung
Fesseldruck = 20 mm Hg (2,4-2,8 kPa)

II Mittlere Kompression
Mittlere Oberflächenwirkung
Fesseldruck = 30 mm Hg (3,3-4,3 kPa)

III Kräftige Kompression
Oberflächen- und Tiefenwirkung
Fesseldruck = 40 mm Hg (4,8-6,2 kPa)

IV Sehr kräftige Kompression
Verstärkte Tiefenwirkung
Fesseldruck >60 mm Hg (7,8 kPa)

Indikation

Schwere- und Müdigkeitsgefühl in den Beinen
Geringe Varikose ohne wesentliche Ödemneigung
Beginnende Schwangerschaftsvarikose


Stärkere Beschwerden
Ausgeprägte Varikose mit Ödemneigung
Postthrombotische Schwellungszustände
Nach Abheilung unerheblicher Ulzerationen
Nach oberflächlichen Thrombophlebitiden
Nach Verödung und Varizenoperationen
Zur Aufrechterhaltung des Behandlungserfolges
Starke Schwangerschaftsvarikose

Alle Folgezustände der schweren, chronischen venösen Insuffizienz
Schwere Ödemneigung, sekundäre Varikose,
Atrophie blanche, Stauungsinduration
Nach Abheilung großer, evtl. schon rezidivierender Ulcera

Bei Lymphödem und Elephantiasis

Probleme mit Kompressionstrümpfen bzw. –ärmeln

  • Kompressionstrümpfe bzw. ärmel müssen mit der Hand gewaschen werden, da das Material höhere Temperaturen und Waschmaschinenwäsche nicht verträgt.
  • Das Kompressionsmaterial altert und muss regelmäßig erneuert werden. Kompres-sionstrümpfe sollten nur an Spitze und Hacke gestopft werden. Im Verlauf des Beines führt unsachgemäßes Stopfen zu einer Änderung der Kompression mit den Folgen der Schnürung.
  • Kompressionstrümpfe sollten mit den zu den Strümpfen gelieferten Gummihandschuhen angezogen werden, um ein starkes Reißen zu vermeiden.
  • Kompressionstrümpfe dürfen nicht rutschen, schnüren oder Schmerzen verursachen. Bei solchen Problemen sollte man sich an seinen Arzt oder an das Sanitätshaus wenden.
  • Die Kassen zahlen normalerweise nur eine Neuverordnung im Halbjahr. Dies reicht bei vielen Patienten aus hygienischen Gründen und Gründen des vorzeitigen Verschleißes nicht aus. Wenn man der Kasse eine Bescheinigung eines Facharztes vorlegt, aus der hervorgeht, dass zusätzliche Verordnungen aus ärztlicher Sicht zwingend notwendig sind, gibt es Kassen, die mehrere Verordnungen im Jahr zahlen.

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